TumorDiagnostik & Therapie 2018; 39(04): 239-242
DOI: 10.1055/a-0583-8601
Thieme Onkologie aktuell
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Aggressives B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom der Mamma bei einer 77-jährigen Patientin

Fabian Riedel
1  Universitätsklinikum Heidelberg, Frauenklinik
,
L. Sellner
2  Universitätsklinikum Heidelberg, Medizinische Klinik V
,
A. Harcos
1  Universitätsklinikum Heidelberg, Frauenklinik
,
H. P. Sinn
3  Universitätsklinikum Heidelberg, Pathologisches Institut
,
A. Hennigs
1  Universitätsklinikum Heidelberg, Frauenklinik
,
M. Golatta
1  Universitätsklinikum Heidelberg, Frauenklinik
,
J. Heil
1  Universitätsklinikum Heidelberg, Frauenklinik
,
L. Mayer
1  Universitätsklinikum Heidelberg, Frauenklinik
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Publication History

Publication Date:
14 May 2018 (online)

Einleitung

Die Brust ist nur selten primärer Ursprung für maligne Lymphome. Die Inzidenz des primären Non-Hodgkin-Lymphoms (NHL) mit Manifestation in der Mamma wird zwischen 0,5 und 1 % aller NHL beziffert [1]. Sekundärer Befall der Mamma ist häufiger als die primäre Manifestation eines NHL. Die Altersverteilung der Ersterkrankung liegt überwiegend jenseits des 60. Lebensjahrs, wobei fast ausschließlich Frauen betroffen sind. In den letzten Jahrzehnten ist ein Anstieg der Inzidenz von NHL in der Mamma beobachtet worden [2]. Bei dem weit überwiegenden Teil handelt es sich um B-Zell-Lymphome, wobei der Subtyp des „diffuse large B-cell lymphoma“ (DLBCL) am häufigsten ist. In der letzten Dekade ist zudem eine Assoziation von anaplastischen Lymphomen der Brust nach Implantation von Silikonprothesen beschrieben worden [3].

Klinisch präsentiert sich die Patientin mit primärem NHL der Mamma zumeist mit einem unilateralen, indolenten Knoten, bei der die Lymphommanifestation im Abklärungsrahmen bei initialem V. a. Mammakarzinom bioptisch diagnostiziert wird. Es gibt keine pathognomonischen Kriterien, die ein NHL der Mamma in der Bildgebung von einem Mammakarzinom eindeutig abgrenzen lassen. Die Präsentation eines NHL der Mamma in den üblichen Bildgebungsmodalitäten ist sehr variabel, wobei sich die Befunde mammografisch häufig als lobuliert und eher glatt begrenzt präsentieren, sonografisch entweder gänzlich hypoechogen oder gemischt hypoechogen mit hyperechogenen Anteilen erscheinen [1] [4] [5]. In der Shear-Wave-Elastografie zeigt ein B-Zell-NHL am ehesten suspekte Geschwindigkeitsparameter, d. h. einem Mammakarzinom ähnlich, wie bereits exemplarisch berichtet wurde [6].

Ein Großteil der NHL der Mamma sind aggressive Lymphome, im Speziellen diffus großzellige B-Zell-Lymphome (DLBCL), es kommen jedoch auch andere Subtypen wie MALT-Lymphome, Follikuläre Lymphome, Burkitt-Lymphome oder T-Zell-NHL vor [7] [8] [9]. Therapeutische Strategien sind bisher nicht standardisiert [10] [11], werden jedoch in der Regel durch die Histologie bestimmt. DLBCL der Mamma gehen mit einer relativ guten Prognose einher, wobei das 5-Jahres-Überleben im Mittel nach neuesten Daten unter optimaler Radio- und Systemtherapie bei bis zu 80 % liegen kann [12]. Höheres Stadium bei Erstdiagnose, Tumorgröße > 4 – 5 cm und erhöhte LDH gehen mit einer schlechteren Prognose einher [10].