Notfallmedizin up2date 2018; 13(04): 431-444
DOI: 10.1055/a-0587-9463
Traumatologische und chirurgische Notfälle
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Akzidentelle Hypothermie: ein Update

Simon Rauch
,
Hermann Brugger
,
Peter Paal
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Publication History

Publication Date:
27 December 2018 (online)

In der Notfallmedizin muss mit dem Auftreten einer akzidentellen Hypothermie ganzjährig und auch in geschlossenen Räumen gerechnet werden. Eine Zunahme von sekundären Hypothermiefällen insbesondere bei älteren vorerkrankten Patienten ist im urbanen Umfeld zu beobachten. Die Körpertemperatur sollte als Vitalparameter bei jedem Notfallpatienten mit einem geeigneten Thermometer routinemäßig gemessen werden und wird bei einem Abfall auf < 35 °C als Hypothermie gewertet.

Kernaussagen
  • Die akzidentelle Hypothermie ist definiert als ein unwillkürlicher Abfall der Körperkerntemperatur auf < 35 °C und kann anhand von Klinik und Körpertemperatur in 4 Schweregrade eingeteilt werden.

  • Die Hypothermie geht mit einer Vielzahl an pathophysiologischen Veränderungen einher. Ab einer Körperkerntemperatur von < 30 °C sistiert das Kältezittern, die Patienten sind meist bewusstlos und haben ein hohes Risiko für das Auftreten von malignen Arrhythmien und Herz-Kreislauf-Stillstand.

  • Die Hypothermie kann ganzjährig und auch in geschlossenen Räumen auftreten. Die Temperatur sollte bei jedem Notfallpatienten als Vitalparameter erhoben werden.

  • Ein mild hypothermer Patient kann durch aktive Bewegung, trockene Kleidung und warme Getränke wiedererwärmt werden.

  • Eine prähospitale Wiedererwärmung ist beim schwer hypothermen Patienten nicht möglich. Hier stehen die Sicherung der Vitalfunktionen, ein möglichst bewegungsarmes Handling sowie eine Ganzkörperisolation zur Vermeidung weiterer Wärmeverluste im Vordergrund.

  • Patienten mit einem hypothermiebedingten Herz-Kreislauf-Stillstand sollten unter kontinuierlicher kardiopulmonaler Reanimation in ein Zentrum mit der Möglichkeit der extrakorporalen Wiedererwärmung gebracht werden und haben häufig eine auch neurologisch günstige Prognose: „no one is dead until warm and dead“.