Pädiatrie up2date 2019; 14(03): 227-260
DOI: 10.1055/a-0591-3625
Endokrinologie/Stoffwechsel
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Das (zu) kleine oder (zu) große Kind: Abklärung von Wachstumsstörungen

Esther M. Nitsche
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Publication Date:
16 September 2019 (online)

Wachstum und Entwicklung zeichnen das Kindesalter aus. Ist das Längenwachstum gestört, bereitet dies Sorge und verlangt nach Abklärung. Ursachen einer Wachstumsstörung sind so vielfältig wie die verschiedenen Faktoren, die das Wachstum beeinflussen. Normvarianten sind häufig, pathologische Störungen dürfen unserer ärztlichen Aufmerksamkeit nicht entgehen. Algorithmen erleichtern daher die zielgerichtete Diagnostik.

Kernaussagen
  • Wenn das Längenwachstum gestört ist, sind die Gründe zur ärztlichen Vorstellung oft psychosozialer Natur, weil Leidensdruck beim Kind oder den Eltern besteht.

  • Wachstumsstörungen sind zuerst jedoch nur ein Symptom und keine Erkrankung. Dennoch kann eine pathologische Störung Grund für das gestörte Längenwachstum sein. Kleinwuchs bereitet dabei größere Sorge als Hochwuchs, da dieser gesellschaftlich deutlich weniger akzeptiert ist als Hochwuchs.

  • Grundlage für die Abklärung einer Wachstumsstörung ist eine ausführliche Eigen- und Familienanamnese.

  • Der körperlichen Untersuchung folgen die Berechnung der genetischen Zielgröße und eine korrekte Messung der Proportionen, um die biologische Reife dem chronologischen Alter gegenüberzustellen.

  • Kleinwuchs ist definiert als eine Körperhöhe unterhalb der 3. Perzentile bzw. mehr als 2 Standardabweichungen unterhalb der mittleren Altersnorm. Eine Erwachsenengröße von < 150 cm gilt in Deutschland als Behinderung.

  • Pathologische Kleinwuchsformen umfassen schwere Allgemeinerkrankungen, endokrinologische und genetische Störungen.

  • Hochwuchs ist definiert als eine Körperhöhe > 2 SDS oder oberhalb der 97,5. Perzentile. Das Spektrum möglicher Ursachen eines Hochwuchses ist jedoch deutlich kleiner als beim Kleinwuchs.

  • Eine häufige Ursache von Hochwuchs ist die konstitutionelle Akzeleration von Wachstum und Entwicklung, vor allem der familiäre Hochwuchs.

  • Seltenere Ursachen des Hochwuchses sind ebenfalls endokriner sowie syndromaler Natur, viele von ihnen sind jedoch ausgesprochen selten. Man unterscheidet nach klinischen Kriterien den proportionierten vom nicht proportionierten Hochwuchs.