Gastroenterologie up2date 2018; 14(03): 283-292
DOI: 10.1055/a-0600-8480
Darm/Anorektum
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Reizdarmsyndrom – eine Krankheit

Viola Andresen
,
Peter Layer
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Publication Date:
07 September 2018 (online)

In der Vergangenheit war das Reizdarmsyndrom (RDS) häufig mit dem Stigma einer harmlosen psychosomatischen Befindlichkeitsstörung behaftet – heute gilt es bei wachsendem Verständnis der Pathophysiologie als „organische Erkrankung“. Auch werden zunehmend moderne, eher zielgerichtete Therapien für das RDS entwickelt. Dieser Beitrag fasst die aktuellen Kenntnisse zu Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie dieser häufigsten Darmerkrankung zusammen.

Kernaussagen
  • Das RDS ist klinisch charakterisiert durch chronische, subjektiv relevante Darmbeschwerden (wie Schmerzen, Blähungen, Stuhlgangunregelmäßigkeiten), für die sich in der Routinediagnostik keine Ursache finden lässt.

  • Die Erkrankung wird oft getriggert durch bakterielle Enteritiden sowie Antibiotikatherapien.

  • Bei der Pathogenese spielen wahrscheinlich Störungen von Darmwandfunktionen, Darm-Hirn-Achse und zerebralem Reiz-„Processing“ zusammen. Typischerweise liegen Alterationen des intraluminalen Mikrobioms vor, oft auch zugrunde.

  • Die Diagnosestellung beruht auf der charakteristischen Anamnese, dem Fehlen von Alarmzeichen und dem gezielten Ausschluss relevanter Differenzialdiagnosen. Dabei sind diagnostischer „Overkill“ und insbesondere nicht indizierte Wiederholungsdiagnostik zu vermeiden.

  • Zu den besonders bedeutsamen Differenzialdiagnosen, die sich klinisch als „typisches“ RDS maskieren können und nicht verpasst werden dürfen, zählen u. a. Neoplasien, CED, Sprue/Zöliakie und mikroskopische Kolitiden.

  • Therapeutisch empfiehlt es sich, nichtmedikamentöse Allgemeinmaßnahmen individuell mit einer medikamentösen Therapie zu kombinieren.

  • Allgemeinmaßnahmen können u. a. „Lifestyle“-Modifikationen, diätetische und/oder psychotherapeutische Interventionen beinhalten.

  • In vielen Fällen ist zusätzlich eine gezielt symptomorientiert einzusetzende Pharmakotherapie erforderlich.