Fortschr Röntgenstr 2019; 191(01): 25-32
DOI: 10.1055/a-0628-7095
Review
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Kontrastmittel-Paravasat bei CT und MRT – Aktuelle Literaturübersicht und Behandlungsstrategien

Artikel in mehreren Sprachen: English | deutsch
Veronika Mandlik
1  Center of Plastic-, Hand- and Reconstructive Surgery, University Hospital Regensburg, Germany
,
Lukas Prantl
1  Center of Plastic-, Hand- and Reconstructive Surgery, University Hospital Regensburg, Germany
,
Andreas G. Schreyer
2  Department of Radiology, University Hospital Regensburg, Germany
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Publikationsverlauf

01. August 2017

13. April 2018

Publikationsdatum:
18.Juni 2018 (eFirst)

Zusammenfassung

Hintergrund Kontrastmittel-Paravasate stellen in der radiologischen Routine v. a. bei CT-Untersuchungen ein nicht zu unterschätzendes Problem im klinischen Alltag dar. Die daraus resultierenden Komplikationen können von lokalen Schmerzen bis zu extrem seltenen, jedoch schwerwiegenden Komplikationen wie Kompartmentsyndrom, Nekrose oder Ulzeration führen.

Es existieren keine einheitlichen radiologischen Empfehlungen oder Richtlinien, um Paravasat-Ereignisse mit drohenden komplizierten Verläufen frühzeitig zu erkennen bzw. korrekt zu therapieren.

Methode Systematische Literaturrecherche der letzten 35 Jahre via PubMed über die Suchbegriffe „contrast media extravasation/paravasation“.

Ergebnisse In der Literatur finden sich konservative Therapieansätze, wie etwa Salbenverbände, Kühlung oder Schienung, für die meist keine Evidenz vorliegt und die eher als symptomatisch zu betrachten sind. Als invasive Verfahren werden diverse Methoden beschrieben, die wir in der Übersichtsarbeit detailliert im Kontext der aktuellen Literatur erläutern. Hier gehen wir besonders auf die Hyaluronidase-Injektion in das Paravasatgebiet, die Suktion/Aspiration des Paravasats mit anschließender Spülung und die Ausmelk- Technik ein. Häufig liegt bei den Literaturangaben nur mangelnde Evidenz bei der Behandlung von Kontrastmittel-Paravasaten vor. Dabei handelt es sich oft um anekdotische Aufzählungen mehrerer Fälle bzw. Zitate aus Zeiten, in denen noch ionisches hochosmolares Kontrastmittel verwendet wurde. Zusätzlich werden in vielen Publikationen Behauptungen über das gängige Vorgehen bei Paravasaten basierend auf den Daten von anderen Medikamenten und Substraten kritiklos übernommen.

Schlussfolgerung Nach umfassender Literatur-Recherche empfehlen wir die konsiliarische Beurteilung eines Paravasats durch einen (plastischen) Chirurgen ab einem ausgetretenen Volumen von etwa 150 ml nicht ionischen Röntgenkontrastmittels. Zusätzlich sollte frühzeitig ein (falls möglich plastisch-) chirurgisches Konsil bereits bei kleineren Volumina durchgeführt werden, wenn eine simultan auftretende Beeinträchtigung des Gewebes mit Störung der Sensibilität oder Perfusion evident wird. Prinzipiell sind invasive Therapien (Hyaluronidase-Injektion, Absaugungs- oder Ausmelk-Technik) bei Paravasatmengen < 150 ml und fehlenden Perfusions- bzw. Sensibilitätseinschränkungen nicht indiziert. Ein konservatives Management in Form von Hochlagerung der Extremität, aktiver Kühlung, ggf. Schienenruhigstellung und vor allem regelmäßiger Kontrolle sind jedoch wichtig, um im Falle von Befundverschlechterungen rechtzeitig eine chirurgische invasive Therapie einzuleiten und Folgeschäden zu vermeiden.

Kernaussagen

  • Die Wahrscheinlichkeit für eine schwerwiegende Paravasat-Komplikation ist bei nicht ionischem Kontrastmittel extrem selten.

  • Paravasat-Folgen sind initial schwer einschätzbar und reichen von restitutio ad integrum bis zum Kompartment-Syndrom.

  • Verfahren wie Hyaluronidase-Injektion, Spülung/Aspiration oder Squeezing-Technik sind zur Paravasat-Therapie beschrieben.

  • Empfehlenswert sind chirurgische Konsultationen ab Paravasat-Volumina > 150 ml oder bei Auffälligkeiten bezüglich der Perfusion und Sensibilität der Extremität.

Zitierweise

  • Mandlik V, Prantl L, Schreyer AG. Contrast Media Extravasation in CT and MRI – A Literature Review and Strategies for Therapy. Fortschr Röntgenstr 2019; 191: 25 – 32