Aktuel Kardiol 2018; 7(05): 357-362
DOI: 10.1055/a-0638-7435
Übersichtsarbeit
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Stressoren in Kindheit und Jugend als Prädiktoren kardiovaskulärer Erkrankungen – die Lebenslaufperspektive

Stress and Adversity in Early Life and Cardiovascular Diseases – a Life Course Perspective
Morten Wahrendorf
Institut für Medizinische Soziologie, Universitätsklinikum Düsseldorf
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Publication Date:
22 October 2018 (online)

Zusammenfassung

Bei der Suche nach den Ursachen für kardiovaskuläre Erkrankungen im Alter unterstreicht die aktuelle epidemiologische Forschung die Bedeutung früherer Lebensphasen, einschließlich Stresserfahrungen während der Kindheit und Jugend. Dazu zählen beispielsweise Konflikte in der Familie, Misshandlungen, traumatische Erlebnisse, emotionale Vernachlässigung oder soziale Benachteiligung. Dieser Beitrag stellt die Lebenslaufperspektive vor und gibt einen Überblick zu aktuellen Forschungsbefunden. Studien bestätigen insgesamt, dass frühe Stresserfahrungen das Risiko von kardiovaskulären Erkrankungen im Alter erhöhen. Dabei sind die Folgen früher Stresserfahrungen teilweise unumkehrbar (z. B. durch frühe Auswirkungen auf das neuroendokrine und Herz-Kreislauf-System), hängen teilweise aber auch eng mit gesundheitlichen Belastungen im späteren Lebenslauf zusammen (z. B. Gesundheitsverhalten im Alter). Die Vorbeugung kardiovaskulärer Erkrankungen sollte demnach bereits in Kindheit und Jugend ansetzen.

Abstract

In order to explain cardiovascular disease at older ages, current research underlines the importance of previous life stages, including stressors during childhood and adolescence, such as family conflicts, traumatic experiences, emotional neglect or social adversity. This contribution presents the life-course perspective and describes current research findings. Overall, studies confirm that early stressors increase the risk of cardiovascular diseases at older ages. Thereby, the consequences of early stressor are partly irreversible (e.g. through early influences on the neuroendocrine and cardiovascular system), and are partly also linked to other health-related burdens at later stages of the life course (e.g. health behavior). Preventive efforts to reduce cardiovascular diseases should start during childhood and adolescence.

Was ist wichtig?
  • Stresserfahrungen über den gesamten Lebenslauf einschließlich Kindheit und Jugend (z. B. Familienkonflikte, emotionale Vernachlässigung oder soziale Benachteiligung), und nicht bloß im Erwachsenenalter, tragen zur Entstehung kardiovaskulärer Erkrankungen im Alter bei.

  • Studien zeigen, dass die Folgen früher Stresserfahrungen in der Kindheit und Jugend teilweise unumkehrbar sind, teilweise aber auch mit gesundheitlichen Belastungen im späteren Lebenslauf zusammenhängen.

  • Die Vorbeugung kardiovaskulärer Erkrankungen sollte bereits in Kindheit und Jugend ansetzen.