Aktuel Urol 2019; 50(01): 113-119
DOI: 10.1055/a-0646-5599
OP-Techniken
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Antegrade Sklerosierung der Varikozele testis

Andreas J. Gross

Subject Editor: Wissenschaftlich verantwortlich gemäß Zertifizierungsbestimmungen für diesen Beitrag ist Prof. Dr. med. Andreas Gross, Hamburg.
Further Information

Publication History

Publication Date:
07 February 2019 (online)

Einleitung

  • Geschichte: Historisch gesehen war die Behandlung der Varikozele ein offen-chirurgischer Eingriff. Entweder wurde die V. testicularis retroperitoneal alleine oder zusammen mit der Arterie ligiert. Diese Operationen nach Bernardi (1942) bzw. Palomo (1949) können auch laparoskopisch durchgeführt werden. Bei der Technik nach Ivanessevich (1918) wird mikrochirurgisch im Bereich des Leistenkanals operiert, bei der Technik nach Goldstein (1988) subinguinal. Die endovasale Behandlung im Sinne einer retrograden Sklerotherapie ist 1976 von Lima beschrieben worden, der die retrograde Darstellung der V. testicularis zur gleichzeitigen Injektion von 75 % hypertonischer Zuckerlösung und Monoäthylamin nutzte. Eine Modifikation der antegraden Darstellung der V. testicularis ist von Tauber 1987 beschrieben worden.

  • Anatomie: Die venöse Drainage von Hoden und Nebenhoden wird in 2 Systeme unterschieden. Der wesentliche Anteil von Hoden und vorderem Anteil des Nebenhodens führt vom Plexus pampiniformis in die V. testicularis, die dann durch den Leistenkanal unter Überkreuzung der A. iliaca externa und des Ureters im Bereich des linken Nierenhilus in die V. renalis mündet, rechts in die V. cava. Ein zusätzliches Drainagesystem bietet der posteriore Venenplexus, der den hinteren Anteil des Nebenhodens versorgt und schließlich in die V. epigastrica inferior mündet. Hinzu kommen reichliche Normvarianten, wobei die Systeme mehr oder weniger miteinander kommunizieren.

  • Einteilung: Die Einteilung der Varikozelengrade von Dubin und Amelar ist weitgehend von der WHO übernommen worden:

    • subklinisch: inspektorisch und palpatorisch kein Nachweis einer Varikozele aber positive skrotale Thermografie oder dopplersonografischer Refluxnachweis

    • Grad I: unter Valsalva-Manöver tast-, aber nicht sichtbares Venenkonvolut

    • Grad II: unter Ruhebedingungen tast-, aber nicht sichtbares Venenkonvolut

    • Grad III: unter Ruhebedingungen leicht tast- und sichtbares Venenkonvolut