Z Gastroenterol 2018; 56(08): 893-894
DOI: 10.1055/a-0657-0623
Editorial
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Prof. Dr. med. Wolfgang Schepp – Vorstellung des Kongresspräsidenten der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten 2018

Wolfgang Schepp MD – Introduction of the conference chairman 2018 of the German Society of Gastroenterology, Digestive and Metabolic Diseases
Markus M. Lerch
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Publication Date:
13 August 2018 (online)

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Prof. Dr. med. Wolfgang Schepp

Es ist mir eine Ehre und eine besondere Freude, meinen langjährigen Mitstreiter für die wirtschaftlichen Anliegen der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten, Herrn Prof. Dr. Wolfgang Schepp, heute als Kongresspräsidenten der DGVS für das Jahr 2018 vorstellen zu dürfen.

Wolfgang Schepp wurde am 23. September 1955 in Aachen geboren und legte am Kaiser-Karls-Gymnasium der Kaiserstadt 1974 sein Humanistisches Abitur ab. Seine schon damals ausgeprägten kulturellen Neigungen erlaubten es ihm, seine Schule beim Concorso di Cultura Classica in San Remo zu vertreten. Zum Studium blieb Wolfgang Schepp zunächst im Rheinland und studierte von 1975 bis 1981 Medizin an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn als Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Zeitgleich mit dem Staatsexamen und der Approbation schloss er auch seine Promotion ab, in der er sich mit der chronisch-atrophischen Gastritis beschäftigte. Wolfgang sollte ein „Magen-Mann“ bleiben. Mit einem DFG-Stipendium forschte er zunächst zwei Jahre lang am Pharmakologischen Institut der Universität Tübingen bei Karl Sewing und Jörg Ruoff [1] [2]. Anschließend kehrte er zu Friedrich Krück nach Bonn an die Medizinische Poliklinik als Wissenschaftlicher Assistent zurück, bevor er seine klinische und wissenschaftliche Laufbahn an der TU München bei Meinhard Classen fortsetzte. Am „Rechts der Isar“ gehörte er zu den wenigen Kollegen, die nicht die Endoskopie ins Zentrum ihrer Forschung stellten, sondern sich ein Grundlagenlabor aufbauten. Noch vor Abschluss seiner Facharztweiterbildung zum Gastroenterologen habilitierte er sich 1988 über die Regulationsmechanismen der Magensäuresekretion an isolierten Parietalzellen. Erst danach ging er für zwei Jahre an das Mekka der Magenforscher, das „Center for Ulcer Research and Education“ in Los Angeles (CURE), wo er sich der Gruppe von Andrew Soll, John Walsh und George Sachs anschloss [3] [4]. Bei seiner Rückkehr wurde er zum Oberarzt und 1993 vorzeitig zum apl. Professor ernannt. 1997 wurde Wolfgang auf eine C3-Professur an der TU München berufen.

Was ihn sicherlich hervorragend auf die eigene Kongresspräsidentschaft der Viszeralmedizin 2018 in München vorbereitet hat, ist die Erfahrung als Kongresssekretär der 100. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin in Wiesbaden. Diese hat Wolfgang Schepp 1994 für seinen Chef und damaligen DGIM-Präsidenten Meinhard Classen organisiert.

Seit 1997 ist Wolfgang Schepp Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Gastroenterologische Onkologie am Klinikum Bogenhausen, einem der größten und renommiertesten kommunalen Maximalversorger in Bayern. Sein Ruf als Arzt und Klinikdirektor hat ihn bisher neunmal auf die Top-Mediziner-Listen der Zeitschriften Focus und Hörzu platziert.

Neben seiner Leidenschaft als Arzt und Endoskopiker hat Wolfgang Schepp auch ein eindrucksvolles Werk als Wissenschaftler vorzuweisen. Im Web of Science finden sich mehr als 330 seiner Veröffentlichungen, die auch in den angesehensten Zeitschriften wie Lancet, PNAS, Lancet Oncology, Cancer Research, Gut und Gastroenterology erschienen sind und mehr als 5000-mal zitiert wurden. Er gehört zu den frühen Pionieren, die die zelluläre Pathophysiologie der Helicobacter-pylori-Besiedlung aufgeklärt haben. Für mich persönlich stellen zwei seiner experimentellen Arbeiten in Gastroenterology [5] [6] zur Regulation der Gastrinsekretion aus antralen G-Zellen durch Zytokine einen Meilenstein in der Pathophysiologie des Magens dar.

Wolfgang Schepp hat für seine Forschung viele Preise erhalten, ist aber meines Wissens der einzige Wissenschaftler, der von der DGVS sowohl mit dem C. A. Ewald-Preis (1990) als auch mit dem Siegfried-Thannhauser-Preis (1991) ausgezeichnet wurde. Von seinen 47 Doktoranden sei vor allem Christian Prinz genannt, der mit einem Heisenberg-Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgezeichnet wurde und heute den Lehrstuhl für Innere Medizin I an der Universität Witten/Herdecke bekleidet.

Seit der Übernahme der Chefarztposition in Bogenhausen hat sich das Forschungsinteresse von Wolfgang Schepp vor allen Dingen auf klinische Fragestellungen verlagert. Da sind insbesondere Studien zur gastroenterologischen Onkologie zu nennen, die unter anderem in Lancet und Lancet Oncology erschienen sind. Für die DGVS hat er die Leitlinien zum gastroösophagealen Reflux, zum Magenkarzinom und zur Helicobacter-pylori-Infektion maßgeblich mitgestaltet.

Als ich 2011 die DGVS-Präsidentschaft übernahm, stand mir von Anfang an mit Wolfgang Schepp ein herausragender Vorsitzender der Kommission für Medizinische Klassifikation und Gesundheitsökonomie zur Seite. Ich bin ihm heute zu großem Dank verpflichtet für diese gemeinsame Amtszeit, in der wir die wirtschaftliche Schieflage der Gastroenterologie, vor allem in den Krankenhäusern, in den Fokus unseres Ehrenamtes stellen konnten. Es half schon beim Start, dass wir beide aus dem Rheinland stammen, mit Ärztinnen verheiratet sind (Susanne Schepp ist Radiologin) und Kinder mit vergleichbaren Vorlieben haben (sein Sohn Lukas spielt Cello, seine Töchter Johanna und Nicola Geige, während sich meine 5 Kinder am Klavier versuchten). Allerdings muss ich zugeben, dass die musikalischen Fähigkeiten von Wolfgang Schepp, der selbst Geige spielt und auch Beethoven- und Schubert-Quartette aufführt, weit über meine bescheidenen Basiskenntnisse hinausgehen. Auch seine Vorliebe für die Ersteigung möglichst hoher Gipfel in den Dolomiten teile ich eher nicht und entspanne lieber auf Höhe des Meeresspiegels. Rasch einigen konnten wir uns dann auf eine Schwäche für das Segeln und für die italienische Oper.

Ohne Wolfgangs unglaubliches Engagement wären das Zeiterfassungsprojekt und das mehrjährige DRG-Projekt der DGVS nie Wirklichkeit geworden [7] [8]. Mit größter Aufmerksamkeit für jedes Detail hat er nicht nur alle unsere DRG-Anträge persönlich erarbeitet oder korrigiert und Rückfragen meist noch nachts um 2:00 Uhr beantwortet. Seinem Vorbild war es zu verdanken, dass sich so viele Kolleginnen und Kollegen motivieren ließen, in der Kommission mitzuarbeiten oder an den Projekten aktiv teilzunehmen. In unseren gemeinsamen sechs Jahren haben sich mehr als 200 Kliniken und Kollegen am Zeiterfassungs- oder am DRG-Projekt beteiligt, und ein wichtiger Grund für deren Erfolg und Nachhaltigkeit [9] war einfach das große Engagement von Wolfgang Schepp, der auch persönliche Interventionen und Verhandlungen im InEK gerne übernahm. Die DGVS ist ihm dafür zu großem Dank verpflichtet und hat klug daran getan, ihm die Kongresspräsidentschaft für 2018 anzutragen.

Bei seinem breiten klinischen Wissen, seiner Erfahrung als translationaler Forscher, seiner Aufmerksamkeit für berufspolitische Themen und seiner außerordentlichen „Attention to Detail“ bin ich sicher, dass Wolfgang Schepp gemeinsam mit Jörg Kalff und Andrea Riphaus einen großartigen Kongress in München ausrichten wird.