Z Geburtshilfe Neonatol 2019; 223(03): 157-168
DOI: 10.1055/a-0660-4039
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Assoziation zwischen Geburtsverletzungen und der Einführung geburtshilflicher Observationsmaßnahmen: eine retrospektive Kohortenstudie

Association of Birth Trauma with the Implementation of Obstetrical Monitoring Tools: A Retrospective Cohort Study
Jana Birri
1  Klinik für Geburtshilfe, UniversitätsSpital Zürich, Zürich, Schweiz
,
Martina Kreft
1  Klinik für Geburtshilfe, UniversitätsSpital Zürich, Zürich, Schweiz
,
Roland Zimmermann
1  Klinik für Geburtshilfe, UniversitätsSpital Zürich, Zürich, Schweiz
,
Nina Kimmich
1  Klinik für Geburtshilfe, UniversitätsSpital Zürich, Zürich, Schweiz
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

eingereicht 15 April 2018

akzeptiert 03 July 2018

Publication Date:
24 August 2018 (eFirst)

Zusammenfassung

Einführung Ein Großteil aller Geburten geht mit irgendeiner Form von Geburtsverletzung einher. Dies kann enorme physische wie auch psychische Auswirkungen auf die betroffenen Frauen haben. Die Bemühungen von Geburtshelfern und Hebammen zielen daher darauf ab, Geburtsverletzungen weitestgehend zu reduzieren. Hierzu haben wir die Assoziation zwischen der Einführung verschiedener geburtshilflicher Observationsmaßnahmen in der Gebärabteilung und der Inzidenz und Lokalisation der verschiedenen Arten von Geburtsverletzungen untersucht.

Material und Methode In einer retrospektiven Datenanalyse evaluierten wir nullipare und multipare Frauen mit Einlingsschwangerschaften in Schädellage, die in unserem Universitätsspital zwischen Oktober 2014 und September 2015 vaginal ein Kind zur Welt brachten. Wir untersuchten 3 unterschiedliche Zeitintervalle zu je 4 Monaten (T1=4 Monate vor Einführung der Observationsmaßnahmen, T2=0–4 Monate danach und T3=5–8 Monate danach). Zielparameter waren die Inzidenz und Verteilung der verschiedenen Typen der Geburtsverletzungen während der 3 unterschiedlichen Zeiträume.

Resultate Die Inzidenz aller Arten von Geburtsverletzungen sank nicht signifikant von 95,52% bei Nulliparen und 68,53% bei Multiparen während T1 auf 89,92% und 62,27% während T3, v. a. in Form eines Rückgangs an perinealen und vulvären/labialen Verletzungen hin zu einem Anstieg an vaginalen Verletzungen. Die Rate an Episiotomien und höhergradigen Dammrissen blieb zwischen den Zeitintervallen hierbei jedoch stabil (Nullipare 33 und 3%, Multipare 10 und 0,4%)

Schlussfolgerung Die Inzidenz von Geburtsverletzungen ist gesamthaft hoch, wobei Verletzungen hauptsächlich in Form von Dammrissen ersten und zweiten Grades sowie als Vaginal- und Labienrisse auftreten. Die Einführung verschiedener geburtshilflicher Observationsmaßnahmen in der Gebärabteilung ist mit einer Veränderung in der Inzidenz von Geburtsverletzungen und mit einer Verlagerung derselben von extern nach intern vergesellschaftet, wahrscheinlich bedingt durch ein bedachteres Handeln des geburtshilflichen Personals. Die Einführung solcher Observationsmaßnahmen könnte daher eine Verbesserung geburtshilflichen Handelns bringen, wovon Frauen unter der Geburt profitieren könnten. Nichts desto trotz darf der alleinige Effekt, den eine Beobachtung und Überwachung während des Verlaufs von Observationsstudien bringt, nicht außer Acht gelassen werden.

Abstract

Introduction Lacerations are common in vaginal births. They can result in immense physical and psychological morbidity. Ongoing efforts are being made to reduce birth trauma. We implemented different obstetrical monitoring tools in the labor ward and evaluated their association with the incidence and distribution of different types of birth lacerations.

Material and Methods We retrospectively analyzed nulliparous and multiparous women with singleton term pregnancies in vertex presentation, who gave birth vaginally in our tertiary care center between October 2014 and September 2015. We evaluated 3 different time intervals (T1=4 months before the implementation of the monitoring tools, T2=0–4 months and T3=5–8 months afterwards). Outcome parameters were the incidence and distribution of different types of birth lacerations during the 3 different time intervals.

Results The incidence of all types of birth trauma decreased from 95,52% in nulliparous and 68,53% in multiparous women at T1 to 89,92% and 62,27% non-significantly at T3, with a decrease in perineal and vulvar/labial lacerations and an increase in vaginal lacerations. The rate of episiotomies and third-/fourth-degree perineal tears remained stable for nulliparous (33 and 3%) and multiparous (10 and 0.4%) women between the time intervals.

Conclusion The overall incidence of birth lacerations is high, with lacerations predominantly appearing as first- and second-degree perineal tears but also vaginal and labial lacerations. The initiation of different obstetrical monitoring tools is associated with a change in the incidence of birth traumas and a shift from an external to an internal distribution, probably due to more careful management by the obstetrical staff. The implementation of such tools might help to improve obstetrical management and laboring women might benefit. However, it is important to realize the effect of monitoring and observation itself on the course of observational studies.

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