CC BY-NC-ND 4.0 · Geburtshilfe Frauenheilkd 2018; 78(10): 999-1007
DOI: 10.1055/a-0684-9838
GebFra Science
Original Article/Originalarbeit
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Verhütungssituation von Adoleszentinnen in Deutschland

Article in several languages: English | deutsch
Patricia G. Oppelt
Department of Gynecology, Erlangen University Hospital, University of Erlangen-Nuremberg, Erlangen, Germany
,
Christine Fahlbusch
Department of Gynecology, Erlangen University Hospital, University of Erlangen-Nuremberg, Erlangen, Germany
,
Katharina Heusinger
Department of Gynecology, Erlangen University Hospital, University of Erlangen-Nuremberg, Erlangen, Germany
,
Laura Lotz
Department of Gynecology, Erlangen University Hospital, University of Erlangen-Nuremberg, Erlangen, Germany
,
Ralf Dittrich
Department of Gynecology, Erlangen University Hospital, University of Erlangen-Nuremberg, Erlangen, Germany
,
Friederike Baier
Department of Gynecology, Erlangen University Hospital, University of Erlangen-Nuremberg, Erlangen, Germany
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

received 31 July 2018
revised 13 August 2018

accepted 14 August 2018

Publication Date:
19 October 2018 (online)

  

Zusammenfassung

Einleitung Würden sich Adoleszentinnen in Deutschland nach entsprechender Aufklärung für eine andere Form der Verhütung als die Einnahme eines oralen kombinierten Kontrazeptivums entscheiden? Besteht ein Bedürfnis nach Langzeitverhütung bei unseren Adoleszentinnen? Wie zufrieden sind die Patientinnen mit der Informationsvermittlung in den betreuenden Frauenarztpraxen und wie viel eigenes Wissen haben die Mädchen über verschiedene Methoden der Verhütung?

Material und Methoden In der Studie „Thinking About Needs in COntraception“ (TANCO) wurden neben Patientinnen auch deren betreuende Frauenärzte/innen in einer Online-Umfrage nach aktueller Form der Verhütung, Zufriedenheit hiermit, aber auch über den Wissensstand zu einzelnen Verhütungsmethoden, der Beratungssituation in Bezug auf verschiedene kontrazeptive Optionen und ihre allgemeine Zufriedenheit mit der frauenärztlichen Betreuung befragt. Von den 18 521 befragten Frauen werden für diesen Artikel die Daten der Adoleszentinnen zwischen 14 und 19 Jahren (n = 2699) dargestellt.

Ergebnisse Zumindest dem Namen nach kannten die Befragten mehr als 5 verschiedene Verhütungsmethoden (im Durchschnitt 5,3). Ärzte gingen davon aus, dass die Befragten nur 4,2 unterschiedliche Methoden kennen. Wird nun explizites Wissen über die Wirkweise einzelner Verhütungsmethoden abgefragt, fallen hier deutliche Defizite auf. Dies betrifft nicht nur das gesamte Kollektiv der Befragten, sondern auch die Verwenderinnen der jeweiligen Verhütung. Weiterhin hat sich in der Befragung ein starkes Interesse gerade junger Frauen an einer Langzeitverhütung gezeigt.

Diskussion Die Daten der TANCO-Studie zeigen eine deutliche Diskrepanz zwischen der tatsächlich bestehenden fast ausschließlichen Verhütung mittels Pille und den von Adoleszentinnen in Betracht gezogenen Optionen zur Verhütung, wenn denn ausführliche Aufklärung stattfindet. Der Bedarf nach Aufklärung über Alternativen zur Pille ist hoch und auch die Bereitschaft, diese Alternativen nach erfolgter Aufklärung anzuwenden, liegt deutlich über den von den Frauenärzten angenommenen Prozentsätzen.