Z Orthop Unfall 2019; 157(04): 445-460
DOI: 10.1055/a-0736-3649
CME-Fortbildung
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Herausforderungen in der primären Hüftendoprothetik

Challenges in Primary Total Hip Arthroplasty
Kevin Staats
,
Bernd Kubista
,
Reinhard Windhager
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Publication History

Publication Date:
17 August 2019 (online)

Zusammenfassung

Bei der Implantation einer Hüfttotalendoprothese sollten definierte und standardisierte Prinzipien verfolgt werden. Wenn besondere präoperative Voraussetzungen bestehen, müssen weitere Faktoren in die Operationsplanung miteinbezogen werden, um das Risiko für Komplikationen zu minimieren. Dieser Artikel liefert einen Überblick über Herausforderungen in der primären Hüftendoprothetik und zeigt bewährte Möglichkeiten, wie Probleme gelöst werden können.

Abstract

Total hip arthroplasty (THA) represents a meticulously standardized procedure with highly satisfactory results for surgeons and patients alike. Anyhow, due to rare diseases, anatomic varieties or in posttraumatic situations, the restauration of a normal hip joint anatomy and physiological kinematics can become a big challenge for the treating surgeon. This article gives an overview of the variety of these challenging conditions (including developmental hip dysplasia, osteopetrosis, skeletal dysplasia, Pagetʼs disease and extraarticular deformities) and with a selection of complex cases it should give the reader some thought-provoking impulses considering the management of complex primary THA cases. This includes with the choice of implant, intraoperative characteristics, certain pitfalls and postoperative considerations alike. As a result, it should minimize the risk for complications in these complex cases without minimizing the patientʼs expectations in a nearly normal hip function and painless movement.

Kernaussagen
  • Aufgrund seltener Erkrankungen, anatomischer Variationen oder in posttraumatischen Situationen kann die Wiederherstellung einer normalen Hüftgelenkanatomie und physiologischen Kinematik eine große Herausforderung für den behandelnden Chirurgen darstellen.

  • In die präoperative Planung haben Aspekte wie Zugangsmöglichkeit, Implantatwahl, Zementierung, Positionierung der Schrauben etc. einzufließen.

  • Bei schweren Deformitäten kann die Implantation einer patientenspezifischen Prothese in Erwägung gezogen werden, die an die morphologischen Voraussetzungen angepasst werden kann.

  • Ein Großteil der Patienten mit angeborener Hüftdysplasie ist bedeutend jünger als der durchschnittliche Endoprothesenpatient. Eine zementfreie Prothesenimplantation sollte bevorzugt und das operative Vorgehen an die Art und Schwere der Schädigung angepasst werden.

  • Bei allen Formen der Osteopetrose sind eine herabgesetzte Knochenresorption und eine erhöhte Knochenformation der zugrunde liegende Pathomechanismus, woraus sich die besonderen Herausforderungen des operativen Vorgehens ergeben.

  • Auch das Vorgehen bei Morbus-Paget-Patienten orientiert sich am Pathomechanismus der Erkrankung: vermehrte Knochenresorption und dadurch eine ungeregelte Knochenformation aufgrund einer Dysfunktion der Osteoklasten.

  • Die Skelettdysplasie beschreibt eine Gruppe von Krankheitsbildern, die eine abnormale chondrale oder ossäre Entwicklung gemeinsam haben. Häufig werden bereits im relativ jungen Alter bei diesen Patienten Korrekturosteotomien durchgeführt, die einen späteren Gelenkersatz, zusätzlich zur Grunderkrankung, weiter erschweren.

  • Extraartikuläre Deformitäten umfassen Trochanter-major-, Schenkelhals- und diaphysär bzw. subtrochantär gelegene Deformitäten. Die spezifischen operativen Besonderheiten müssen präoperativ bedacht werden.

  • Eine proximale Femurfraktur kann bei Auftreten von Komplikationen im Nachgang eine Hüft-TEP notwendig machen.