Gastroenterologie up2date 2019; 15(02): 191-206
DOI: 10.1055/a-0744-2000
Darm/Anorektum
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Colitis ulcerosa – ein Update

Klaus Herrlinger
,
Andreas Kirschniak
,
Eduard F. Stange
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Publication History

Publication Date:
24 June 2019 (online)

Dieses Update zur Pathogenese, Diagnostik und Therapie der Colitis ulcerosa bringt die Komplexität der Krankheitsentstehung zwischen Mikrobiom und Barriere auf den neuesten Stand. Des Weiteren wird das neue diagnostische Vorgehen bei der Karzinomprävention erläutert und entsprechend der kürzlich überarbeiteten Leitlinie der DGVS auch der therapeutische Algorithmus aktualisiert.

Kernaussagen
  • In den industrialisierten westlichen Ländern sind insgesamt fast 0,5% der Bevölkerung von einer entzündlichen Darmerkrankung betroffen.

  • Bei Colitis ulcerosa ist – ähnlich wie bei Morbus Crohn – das Mikrobiom die Zielstruktur der adaptiven Immunreaktion und nicht das intestinale Gewebe im Sinne einer Autoimmunreaktion.

  • Die Endoskopie ist nicht nur bei der Erstdiagnose, sondern auch im Verlauf von großer Bedeutung (Verlaufskontrollen und Karzinomprävention).

  • Die ausgedehnte Colitis ulcerosa mit leichter bis mittlerer Aktivität wird kombiniert topisch und systemisch mit 5-Aminosalizylsäure-Präparaten behandelt. Die Standardtherapie der schweren Colitis ulcerosa ist die systemische Gabe von Steroiden.

  • Die Steroidabhängigkeit stellt aufgrund der Nebenwirkungen einer dauerhaften Steroidtherapie eine Indikation für eine langfristige Immunsuppression dar.

  • Bei der Colitis ulcerosa ist in der Regel bei allen Patienten eine remissionserhaltende Therapie indiziert.

  • Bei Versagen der immunsuppressiven Therapie darf unter keinen Umständen der richtige Zeitpunkt zur Kolektomie verpasst werden.

  • Die Indikation zur chirurgischen Therapie der Colitis ulcerosa stellt im Zeitalter der Biologika und immer komplexer werdenden medikamentösen Therapien eine große Herausforderung dar.

  • Es wäre sehr hilfreich, wenn bestimmte Marker ein voraussichtliches Therapieansprechen (oder auch Nebenwirkungen) zuverlässig vorhersagen könnten.