Z Geburtshilfe Neonatol 2019; 223(03): 147-156
DOI: 10.1055/a-0749-9024
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Ist eine eigenständige Geburtshilfe in einem Haus der Grund- und Regelversorgung sinnvoll und führt sie zu messbaren Veränderungen in der Versorgung?

Is it Reasonable to Establish an Independently Managed Obstetric Unit in a Small Hospital and Does it Result in Measurable Changes in Quality of Maternity Care?
Anke Reitter
1  Geburtshilfe und Pränatalmedizin, Krankenhaus Sachsenhausen, Frankfurt
,
Norman Doehring
1  Geburtshilfe und Pränatalmedizin, Krankenhaus Sachsenhausen, Frankfurt
,
Zerrin Maden
1  Geburtshilfe und Pränatalmedizin, Krankenhaus Sachsenhausen, Frankfurt
,
Phillip A. Hessler
2  Operative Gynäkologie, Krankenhaus Sachsenhausen, Zentrum für Minimal-Invasive Chirurgie, Frankfurt
,
Björn Misselwitz
3  Geschäftsstelle Qualitätssicherung Hessen, GQH, Eschborn
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

eingereicht     10 June 2018

akzeptiert nach Überarbeitung16 September 2018

Publication Date:
07 December 2018 (eFirst)

Zusammenfassung

Einleitung Eine eigenständig, konzeptionell neu ausgerichtete Geburtshilfe in einem Haus der Grund- und Regelversorgung kann innerhalb kurzer Zeit Veränderungen in der Versorgungsqualität zeigen.

Material und Methode Die geburtshilflichen Daten eines Krankenhauses mit einer Geburtshilfe der Versorgungstufe (VS) IV (VS IV) in Frankfurt, Deutschland werden untersucht. Im Vergleich werden ausgewählte Daten aus der externen stationären Qualitätssicherung (EsQS) von 2013 (gemeinschaftliche geburtshilfliche und gynäkologischen Abteilung) vs. 2016 (eigenständige Geburtshilfe) vorgestellt.

Ergebnisse Die Geburtenzahl ist im Untersuchungszeitraum um 46,4% (von 803 Geburten auf 1176 Geburten) angestiegen. Die Gesamtsectiorate sank um 8,9 von 34,9% auf 26% (p<0,01). Die vaginal operativen Geburten stiegen um 5,2% (p<0,01). Die Verlegungsrate von Neonaten sank von 5,6  auf 3,1% (p<0,01). Die Interventionen Einleitung (10,1 auf 9,4%; p=0,632) und Episiotomierate (13,4 auf 1,1%; p<0,01) sind gesunken. Die Rate der peripartalen schweren Azidosen ist von keinem Fall in 2013 auf 2 Fälle in 2016 angestiegen (p<0,05). Bei der Anzahl an Erst-Sectiones und der Rate an Re-Sectio zeigt sich ein nicht-signifikanter fallender Trend.

Schlussfolgerung Die Schaffung einer chefärztlich geleiteten geburtshilflichen Abteilung an einem Haus der Grund- und Regelversorgung kann innerhalb kurzer Zeit zu messbaren Veränderungen und Qualitätssteigerungen in der Versorgung führen.

Abstract

Introduction An independently managed, specialty obstetric unit in a small hospital setting resulted in measurable changes in quality of maternity care.

Material and methods We present obstetric data from a level I (basic care) hospital in Frankfurt, Germany. We compare data from the mandatory state register collected in 2013, when the obstetric unit was under single management with the gynaecology department, with data collected in 2016 after the establishment of independent obstetric unit and a specialised service.

Results Between 2013 and 2016, the birth rate in our hospital increased by 46.4%, from 803 to 1176 births/year. CS rates decreased by 8.9%, from 34.9 to 26% (p<0.01). Operative vaginal delivery rates increased by 5.2 (p<0.01%). Transfer of neonates to NICU decreased from 5.6% to 3.1% (p<0.01). Other obstetric interventions also decreased, including induction of labour (10.1 to 9.4%, p=0.632) and rate of episiotomy (13.4 to 1.1%, p<0.01). Rates of severe fetal acidosis (p<0.05) increased from no events in 2013 to 2 events in 2016. There were non-significant reductions in planned caesarean section for primiparous women and repeat caesarean section.

Conclusion An independently managed, specialised obstetric unit separate from an Obstetric & Gynaecology Department previously under single management can lead to measurable changes and quality improvement in a short period of time.

* Die Gesamtabteilung d. h. beide Chefärzte gemeinsam haben die volle Weiterbildungsermächtigung. Die Chefärztin der Geburtshilfe hat weiter zunächst 6 Monate der speziellen Weiterbildung erhalten, die nach Prüfung der Leistungszahlen auf 18 Monate angepasst wurde. Hier fand mit dem nun ebenfalls eigenständigen gynäkologischen Chefarzt eine Konzepterstellung basierend auf der hessischen Weiterbildungsordnung **  statt, die die interne Rotationen zwischen den beiden Abteilungen festlegt. Nach den Wünschen der Weiterbildungsassistenten wurde ein Modell für den geburtshilflich, ein Modell für den gynäkologisch und ein Modell für den „All-rounder“ etabliert. Als akademisches Lehrkrankenhaus ist die Abteilung ebenfalls in die studentische Ausbildung eingebunden, hier findet die Rotation in beide Abteilungen z. B. im Praktischen Jahr paritätisch statt.


** Weiterbildungsordnung für Ärztinnen und Ärzte in Hessen vom 1.11.2005 (WBO) entsprechend der Richtlinien über den Inhalt der Weiterbildung in Gebieten, Schwerpunkten und Bereichen gemäß § 4 Abs. 4 und § 12 WBO (Stand 30.05.2016)


Condensed Content