DZO 2018; 50(04): 172-177
DOI: 10.1055/a-0758-9471
Forschung
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Homöopathie und intellektuelle Redlichkeit – Eine Stellungnahme

Homeopathy and Intellectual Honesty. A Commentary
Peter F. Matthiessen
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Publication Date:
07 January 2019 (online)

Zusammenfassung

Angesichts fehlender Plausibilität zu den Wirkprinzipien der Homöopathie ist es Mode geworden, deren therapeutische Wirksamkeit in Abrede zu stellen, obwohl die hierzu publizierte Evidenz für eine Wirksamkeit spricht. Dennoch werden als Ausdruck von Ignoranz oder einer bewussten Stimmungsmache gegen die Homöopathie wissenschaftliche Fehlinformationen lanciert. Die vorliegende Publikation zeigt an drei ausgewählten Beispielen aus jüngster Zeit unter Berücksichtigung der tatsächlichen Beleglage die fehlende Seriosität dieser Aktivitäten auf.

Im Namen des Dialogforum Pluralismus in der Medizin (DPM) und weiterer etablierter und repräsentativer Ärzteorganisationen wird das Erfordernis einer evidenzbasierten Integrativen Medizin sowie seine zunehmende Bedeutung an führenden medizinischen Fakultäten in den USA ebenso wie in Deutschland dargelegt. Es wird aufgezeigt, dass eine vollorchestrierte Gesundheitsversorgung, die den individuell unterschiedlichen Bedürfnissen und Präferenzen der Bevölkerung zu entsprechen sucht, eine Integrative Medizin als ein zwar kritisches, aber unvoreingenommenes Kooperationsgefüge zwischen Mainstreammedizin und ausgewählten komplementärmedizinischen Ansätzen zu seiner Grundlage bedarf.

In diesem Zusammenhang wird auf einen von allen Mitgliedern des Dialogforums verfassten Grundsatzartikel zur Professionalität verwiesen, demzufolge sowohl für die konventionelle Medizin als auch für die Komplementärmedizin gleichermaßen eine Verpflichtung zur Wissenschaftlichkeit besteht. Bereits Ludwig Fleck und Thomas Kuhn haben aufgezeigt, dass die Anhänger eines bestimmten Paradigmas bestrebt sind, das je eigene Paradigma durch den Staat zu privilegieren. Der vorliegende Artikel verweist jedoch darauf, dass dem Staat nach §5 Abs. 3 des Grundgesetzes ein Wissenschaftsrichtertum im Sinne der Parteiergreifung für ein bestimmtes Paradigma grundsätzlich untersagt ist. Darüber hinaus wird darauf verwiesen, dass die Monopolisierung eines einzigen Paradigmas mit der Ausbildung totalitärer Denkstrukturen einhergeht. In einem abschließenden Votum verwahren sich die Unterzeichner, die neben etablierten Ärzteorganisationen aus einer Vielzahl ausgewiesener Ärzte und Wissenschaftler bestehen, gegen die Verfolgung totalitärer, mit dem Grundgesetz kollidierenden Denkfiguren in unserem Gesundheitswesen.

Abstract

It has become fashionable to deny the therapeutic efficacy of homeopathy in view of a lack of plausibility as to its active principles although pertinent published evidence suggests the opposite. Nevertheless, incorrect information is being launched that implies either ignorance or deliberate polemic propaganda against homeopathy. This publication contrasts three recent examples with the actual evidence available to reveal the lack of seriousness of such activities.

The author underlines the need for an evidence-based Integrative Medicine, as well as the increasing significance which this concept enjoys at leading medical schools in the United States and German alike, on behalf of the Dialogue Forum Pluralism in Medicine and further established and representative medical associations. The idea is to illustrate that a fully orchestrated health care system which aims to meet the individually varying needs and preferences of the population must be based on integrative medicine as a critical but unbiased framework of cooperation between mainstream medicine and selected complementary medical approaches.

In this context mention must be made of a fundamental article on professionalism drawn up by all members of the Dialogue Forum, according to which conventional and complementary medicine alike are obliged to adhere to scientific standards. At an early stage, both Ludwig Fleck and Thomas Kuhn pointed out that the proponents of a specific paradigm strive to gain official privileges for their own paradigm. This paper, however, underlines that under Basic Law (German constitution) Article 5 Paragraph 3, the state is generally forbidden to pass judgment on scientific matters in the sense of advocacy of one specific paradigm. In addition, there is the danger that monopolization of a single paradigm fosters the development of totalitarian structures of thinking. In a concluding vote, the signatories of this paper – well-established medical associations and a large number of renowned physicians and scientists – reject totalitarian thought patterns in our health system that are incompatible with constitutional law.