Akt Dermatol 2019; 45(04): 160-166
DOI: 10.1055/a-0784-9094
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© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Neuentwicklungen in der Venerologie – Update zur sexuellen Gesundheit

New Developments in Venerology – Update on Sexual Health
S. Schellberg
Novopraxis Berlin
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Publication Date:
02 January 2019 (eFirst)

Zusammenfassung

Sexuell übertragbare Erkrankungen zählen seit Existenz der Menschheit zum Spektrum der häufig zu beobachtenden Krankheitsbilder. Erkrankungen wie die Syphilis haben unsere Kultur teils erstaunlich geprägt und die Folgen dieser Erkrankung reichen von zahlreichen Einzelschicksalen bekannter Künstler bis zur Krawatte als typischem männlichen Kleidungsstück, dessen Einführung der Kaschierung typischer kutaner Syphiliseffloreszenzen zu verdanken ist. Behandlungen waren häufig heroisch und auch vor der Anwendung toxischer Verbindungen wie Arsen oder Quecksilber wurde nicht zurückgeschreckt. Sexuell übertragbare Erkrankungen zählen aber auch heute noch zu den stigmatisierenden und mit falscher Moral belasteten Krankheitsbildern. Die Dunkelziffer ist hoch. Krankheitsverläufe sind z. T. dramatisch lang, ohne dass ein sexueller Zusammenhang der geklagten Beschwerden auch nur eruiert worden wäre.

Neue Möglichkeiten digitaler Partnersuche, eine deutliche Reduktion der durch die HIV-Epidemie empfundenen Bedrohung durch moderne Behandlungs- und Präventionsstrategien und gesellschaftliche Veränderungen von Mobilität und Verfügbarkeit, verbunden mit dem Gebrauch neuer synthetischer Substanzen im sexuellen Kontext führen gerade zu einer deutlichen Veränderung des Spektrums sexuell übertragbarer Erkrankungen und stellen den Behandler vor neue Herausforderungen. Einige dieser neuen Aspekte sollen hier diskutiert werden.

Abstract

Sexually transmitted infections always have been among the spectrum of commonly observed conditions. Diseases like the syphilis had significant impact on our history and culture – ranging from dramatic cases of artists affected by the disease up to inventions like the tie, originally introduced to cover obvious cutaneous symptoms of the syphilis. Treatment has been heroic, sometimes, ranging from arsenic up to mercury. However, sexually transmitted infections always have been among the most stigmatized and morally criticized conditions. Rates of non-diagnosed cases remain high, courses of disease last years without even discussing possible sexual backgrounds of the presented symptomatology.

Dating-apps, a perceived reduction of the thread of HIV, based on dramatic changes in antiretroviral treatment and prevention, combined with social changes, such as increased mobility, continuous availability and use of synthetic recreational drugs led to dramatic changes around sexually transmitted infections. Some of them will be discussed in this overview.