Laryngo-Rhino-Otol 2019; 98(01): 4-5
DOI: 10.1055/a-0784-9482
Editorial
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Kommentar der Schriftleitung

Editor’s Comment
Andreas Dietz
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Publication History

Publication Date:
08 January 2019 (online)

Liebe Leserinnen und Leser,

ich hoffe, Sie sind gut in das neue Jahr hineingekommen. In rein fachlicher Hinsicht lässt das neue Jahr auf viele interessante Ereignisse hoffen. Ganz besonders möchte ich als Pars pro Toto an dieser Stelle den kommenden Jahreskongress im Estrel in Berlin unter der Präsidentschaft meines Con-Schriftleiters Herrn Professor Stefan Dazert ankündigen, der unter dem Motto „Digitalisierung“ [1] stehen wird. Tatsächlich ist die Digitalisierung gerade in diesem Jahr in aller Munde und erweist sich bundesweit als eines der aktuell politisch relevantesten Themen.

Gleich zu Beginn wird ein Artikel von Fiacchini G et al. zur Komplikationsanalyse nach Parotidektomie diskutiert, der das „First Bite Syndrom“ als für die Lebensqualität vergleichsweise relevanter als das Frey-Syndrom und die Hypoanästhesie der Haut beschreibt [2]. Insbesondere Resektionen im Bereich tieferer Areale der Parotis gehen mit einem erhöhten Risiko zum First Bite Syndrom einher [3], [4]. Des Weiteren wird ein Artikel von Jackson R et al. zum Vergleich des Kinder- und Erwachsenen-Cholesteatoms diskutiert [5]. Von Herrn Pirlich aus Leipzig wird eine in Italien sehr verbreitete Technik des Direktverschlusses des Hautdefekts nach einem Forearm Flap vorgestellt [6]. Es lohnt sich, damit zu arbeiten, obgleich in manchen Fällen, insbesondere bei relativ großflächigen Lappen, das direkte Verfahren zu Einengungen führen kann. Die Rubrik Übersicht beschäftigt sich mit chronischem Husten und zeigt neue diagnostische Perspektiven auf [7]. Der Artikel ist insofern interessant, als er multidisziplinär von den Marburger Kollegen in Kooperation mit Gießen und Regensburg erarbeitet wurde. Frau Struve aus München und Herr Ringwald aus Lütjensee haben eine lesenswerte Übersicht zur Antikoagulation im Speziellen bei onkologischen Patienten erarbeitet [8]. Da insbesondere bei onkologischen Patienten verschiedenen Besonderheiten zu berücksichtigen sind, weicht diese mitunter von den empfohlenen generellen Standards ab. Von Herrn Löhler und Kollegen wird in einer multizentrischen Originalarbeit der Stellenwert des Mini-Audiotestes als Screening-Methode auf Schwerhörigkeit im Bereich von Haus- und Fachärzten vorgestellt [9]. Insbesondere schlussfolgern die Autoren, dass das beschriebene Verfahren für nicht-HNO-Ärzte zur Detektion von schwerhörigen Patienten ab dem 50. Lebensjahr vorgeschlagen werden kann. Von Hilmar Gudziol und Kollegen aus Jena wird ein Originalbeitrag zur Mundatmung und Wahrnehmungsschwelle für die H2S bei erhöhter Belastung vorgelegt [10]. Als interessanter Fall wird eine asymptomatische penetrierende Halsverletzung im Näheren beschrieben; eine Situation, die uns alle im Bereich der Notfallbehandlung unseres Faches interessieren sollte [11]. Bei dem von Jamal Huseynov aus Villingen-Schwenningen vorgetragenen Fall sind besonders die 3D-Rekonstruktionen im Rahmen der Bildgebung beeindruckend [12], [13]. Der Diagnoseirrtum bzw. -fehler oder Befunderhebungsfehler im Zusammenhang mit Ohrmuschelperichondritis oder Herpes zoster oticus wird von Leuwer und Brusis in der Rubrik Gutachten und Recht beschrieben und diskutiert [14], [15]. Frau Steinbichler aus Innsbruck hat zusammen mit ihren Kollegen die CME-Fortbildung zum Thema Merkelzellkarzinome der Kopf-Hals-Region erstellt [16]. Tatsächlich ist das Merkelzellkarzinom ein sehr spezieller Tumor, nicht nur weil er viral induziert ist, sondern weil im metastasierenden Stadium in Deutschland die Zulassung für den Checkpoint-Inhibitor Avelumab neuerdings mit in die therapeutische Betrachtung hinzugezogen werden kann. Insgesamt also wieder ein sehr rundes Portfolio für den Januar des noch jungen Jahres. Ich wünsche Ihnen viel Lesevergnügen und alles Gute für das Bevorstehende. Gehen Sie es ruhig an!

Ihr
Prof. Dr. med. A. Dietz
Schriftleitung LRO