Phlebologie 2019; 48(01): 47-56
DOI: 10.1055/a-0805-5497
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Lipödem – Mythen und Fakten Teil 4

Article in several languages: deutsch | English
Tobias Bertsch
1  Földiklinik Hinterzarten, Europäisches Zentrum für Lymphologie
,
Gabriele Erbacher
1  Földiklinik Hinterzarten, Europäisches Zentrum für Lymphologie
,
Nestor Torio-Padron
2  Praxisklinik für Plastische Chirurgie Freiburg
› Author Affiliations
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Publication History

08/05/2018

08/09/2018

Publication Date:
19 February 2019 (online)

Zusammenfassung

Um das Lipödem ranken sich zahlreiche Mythen! In diesem vierten Beitrag unserer Artikelserie setzen wir uns mit dem Stellenwert der Liposuktion beim Lipödem auseinander. Wir diskutieren das von vielen die Liposuktion durchführenden Ärzten verbreitete Statement: „Die Liposuktion führt zu ausgeprägter und dauerhafter Verbesserung des Lipödems“. Wir konnten zeigen, dass zwischen den oft euphorischen Versprechungen der chirurgisch tätigen Kollegen und der aktuellen Studienlage zur Liposuktion eine erhebliche Lücke klafft. Sowohl Studienqualität als auch Studiensetting weisen erhebliche Mängel auf, Mängel, die Zweifel an diesem verbreiteten Statement aufkommen lassen. Eine ähnliche Lücke klafft darüber hinaus zwischen den Empfehlungen der S1-Leitlinie Lipödem und der tatsächlichen „Absaugpraxis“ bei adipösen Lipödempatientinnen. Die in den Leitlinien empfohlene „kritische Indikationsstellung“ bei gleichzeitigem Auftreten von Lipödem und Adipositas findet kaum Gehör. Es kann daher nicht genug betont werden, dass Liposuktion keine Methode ist, um Adipositas zu behandeln. Gleichwohl kann die Liposuktion durchaus zu einer Verbesserung des Lipödems beitragen. Entscheidend für den Therapieerfolg ist die Auswahl der Patientinnen, die aufgrund – medizinischer – Kriterien erfolgen muss. Darüber sollte die Liposuktion in ein Gesamtkonzept eingebunden werden, welches psychosoziale, ernährungs- und sportmedizinische Gesichtspunkte berücksichtigt.