Z Geburtshilfe Neonatol 2019; 223(01): 5
DOI: 10.1055/a-0813-3564
Editorial
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Das Für und Wider beziehungsweise Ob und Wann der Geburtseinleitung

Dominique Singer
1  Sektion Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin, Zentrum für Geburtshilfe, Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Eppendorf (UKE)
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Publication Date:
21 February 2019 (online)

Liebe Leserinnen und Leser,

das Neue Jahr möge für Sie alle gut begonnen haben. Der neue Jahrgang der Zeitschrift für Geburtshilfe und Neonatologie (ZGN) startet mit einem Heft, das eine breite Palette an Themen aus dem diesmal vorwiegend geburtshilflichen Bereich behandelt.

Im Mittelpunkt steht das Thema „Geburtseinleitung“, dem 2 Originalarbeiten gewidmet sind. Die erste befasst sich mit der „Geburtseinleitung bei Erstgebärenden ab errechnetem Termin in einem Niedrigrisiko-Kollektiv“. In einer retrospektiven Kohortenstudie wurde das Outcome nach Geburtseinleitung in 3 Gruppen (40+0 bis 40+6 Schwangerschaftswochen [SSW], 41+0 bis 41+3 SSW,>41+3 SSW) verglichen; es ergaben sich weder hinsichtlich der Kaiserschnittrate (37/30/31%) noch hinsichtlich des Nabelarterien-pH und APGAR-Score signifikante Unterschiede. Die zweite, derselben Arbeitsgruppe entstammende Originalarbeit trägt den Titel „Ist die Geburtseinleitung bei intrauteriner Wachstumsrestriktion und Small-for-gestational-age-Feten problematisch? Eine historische Kohortenstudie“. In dieser an 2 Zentren vorgenommenen retrospektiven Analyse wurden Geburtseinleitungen bei SGA(Small for Gestational Age)- bzw. IUGR(Intra-Uterine Growth Restriction)-Feten mit Geburtseinleitungen bei fetalen Schätzgewichten oberhalb der 10. Perzentile verglichen. Auch hier ergab sich bezüglich der Kaiserschnittrate (27,0 vs. 26,2%) kein signifikanter Unterschied. Jedoch war in der Gruppe mit fetalem Wachstumsrückstand öfter ein pathologisches CTG zu verzeichnen, es wurden mehr fetale Blutgasanalysen durchgeführt, und es kam auch häufiger zu Verlegungen in die Kinderklinik. Die beiden Arbeiten steuern Argumente zu einer Diskussion bei, die durch eine unlängst im New England Journal of Medicine erschienene prospektive Studie [1] neu belebt wurde, in der im Fall von Geburtseinleitungen mit 39+0 bis 39+4 SSW (!) bei Erstgebärenden (bei vergleichbar hohem „adverse neonatal outcome“) eine niedrigere Sectiorate (18,6%) beobachtet worden war als bei exspektativem Vorgehen (22,2%) – alles in allem ein kontroverses Thema [2] mit nebenbei recht variierenden Sectioraten.

Weitere Beiträge in diesem Heft widmen sich der Ösophagusatresie als Herausforderung für den Pränatalmediziner und der Entwicklung der HIV-Therapie in der Schwangerschaft über eine Dekade. Überdies werden Daten präsentiert, denen zufolge das Glucagon-like Peptide 1 (GLP-1) im Serum makrosomer Neugeborener von nicht-diabetischen Müttern (mit erhöhtem BMI) vermindert ist. In der Rubrik „Perinatalmedizin in Bildern“ wird abschließend ein Fall vorgestellt, in dem eine eindrucksvolle Plazentamegalie in Verbindung mit einer transfusionspflichtigen neonatalen Anämie auf der Basis einer chronischen feto-maternalen Transfusion beobachtet wurde.

Wir, Verlag und Herausgeber, freuen uns über den ungebrochenen und wachsenden Zuspruch zur ZGN, den wir aktuell anhand der Manuskripteingänge registrieren. Aus diesem Anlass sei hier nochmals daran erinnert, dass die ZGN schon seit geraumer Zeit nicht nur deutsch-, sondern auch englischsprachige Manuskripte akzeptiert und durch den verpflichtenden englischen „condensed content“ im Anhang zu Originalarbeiten auf die internationale Zugänglichkeit ihrer wissenschaftlichen Hauptinhalte achtet. Gerade für jüngere Autorinnen und Autoren kann dies eine Chance zur erfolgreichen Publikation ihrer wissenschaftlichen Studienergebnisse und klinischen Fallvorstellungen in einem Journal sein, welches die Perinatalmedizin in ihrer ganzen Breite repräsentiert.

In diesem Sinne mit besten Grüßen,

Ihr
Dominique Singer