Flug u Reisemed 2019; 26(01): 3-4
DOI: 10.1055/a-0815-9350
Magazin
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Ausgewählte Meldungen und aktuelle Entwicklungen

Neues aus der Reisemedizin
Unn Klare
1  Behnkenhagen
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Publication Date:
27 February 2019 (online)

Lassafieber in Nigeria

Nigeria meldete vergangenes Jahr so viele Lassafieberfälle wie noch nie zuvor: 633 Erkrankungen wurden labordiagnostisch bestätigt, 171 dieser Patienten überlebten die Infektion nicht. Hinzu kommen noch einmal 20 Todesopfer, die als wahrscheinliche Lassafälle eingestuft werden, bei denen aber keine Laboruntersuchung möglich war. Betroffen waren 23 der 36 Bundesstaaten. Der Großteil der Infektionen ereignete sich bereits im ersten Quartal des Jahres, mit dem Einsetzen der Regenzeit im April sanken dann die Fallzahlen. Seit Ende November, mit beginnender Trockenzeit, steigen die Fallzahlen nun jedoch erneut – zum Jahreswechsel wurden 22 Neuinfektionen pro Woche registriert.

Infektionen durch mehrere Virusstämme

Bemerkenswert beim derzeitigen Ausbruch ist, dass nicht ein bestimmter Virusstamm dominiert, sondern dass mehrere Stämme für die außergewöhnlich hohen Fallzahlen verantwortlich sind. Außerdem scheinen Mensch-zu-Mensch-Übertragungen, anders als bei früheren Ausbrüchen, nur einen kleinen Teil der Infektionen auszumachen – die meisten Erkrankten haben sich vermutlich direkt durch Kontakt zu Nagetieren beziehungsweise deren Ausscheidungen infiziert.


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Entwicklungen im Nagerbestand

Daher ist eine Vermutung, dass der Ausbruch durch Entwicklungen im Bestand dieser Nager hervorgerufen wird. Der hauptsächliche Reservoirwirt für das Lassavirus ist die Vielzitzenmaus – derzeit liegen aber noch keine Studien über eine möglicherweise wachsende Prävalenz der Viren bei diesen Mäusen oder eine gestiegene Populationsdichte vor. Ein Indiz für die letzte Theorie ist, dass sich etwa zeitgleich mit dem Lassafieber auch die Affenpocken in Nigeria ausbreiteten (siehe unten) – auch hier sind Nager das Reservoir.


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Fortschritte im Monitoring

Eine andere Möglichkeit ist, dass die erhöhten Fallzahlen vor allem Fortschritte im Monitoring widerspiegeln: Die WHO schätzt, dass weltweit jährlich Zehntausende am Lassafieber erkranken und etwa 5000 von ihnen an den Folgen versterben – offiziell registriert wird aber nur ein Bruchteil dieser Fälle. Seit dem großen westafrikanischen Ebolaausbruch der Jahre 2014–2016 ist man in Nigeria aber wachsamer geworden, insbesondere in Bezug auf hämorrhagische Fieber. Es wurde viel in die medizinische Infrastruktur investiert – so müssen heute beispielsweise Proben von Lassafieber-Verdachtsfällen nicht mehr nach Südafrika geschickt werden, sondern können in mehreren Laboren im Land selbst untersucht werden. Hinzu kommt, dass seit dem Wiederauftreten der Polio in Nigeria im Jahr 2016 Ärzteteams aktiv auch in abgelegenen Gegenden nach Poliofällen suchen – und dabei natürlich auch auf Patienten mit Lassafieber treffen, deren Erkrankung andernfalls nicht diagnostiziert worden wäre.

Was auch immer der Grund für die gestiegene Fallzahlen sein mag – in den kommenden Wochen ist mit einer weiteren Zunahme zu rechnen: Die höchste Zahl an Neuinfektionen wird jährlich im Januar und Februar registriert.


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