PSYCH up2date 2019; 13(04): 343-358
DOI: 10.1055/a-0826-1101
Spezielle Themen
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Psychiatrische Begutachtung in asyl- bzw. ausländerrechtlichen Verfahren

Frank Schneider
,
Sabrina Weber-Papen
,
Harald Dreßing
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Publication History

Publication Date:
15 July 2019 (online)

Mobilität und Migration haben weltweit zugenommen. Auch der Sachverständige trifft im Rahmen einer psychiatrischen Begutachtung auf einen wachsenden Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund (Zugewanderte und ihre Nachkommen). Der vorliegende Beitrag zeigt, welche Herausforderungen dabei auf den Sachverständigen zukommen können, gibt Vorschläge zur Lösung und erläutert die wichtigsten juristischen Zusammenhänge und Begrifflichkeiten.

Kernaussagen
  • Unter dem Eindruck eines wachsenden Flüchtlingsstroms aus Kriegs-/Krisengebieten ist mit einer erhöhten Prävalenz von Traumafolgestörungen unter Asylbewerbern zu rechnen.

  • Die psychiatrische Exploration und Befunderhebung können erschwert sein durch Sprachbarrieren, kulturgebundene Symptombildungen, Misstrauen seitens der Begutachteten und/oder deren Traumatisierung oder auch durch Vorurteile bzw. Widerstände aufseiten des Gutachters.

  • Die relevanteste Traumafolgestörung stellt sicherlich die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) dar.

  • Die Diagnose einer PTBS beweist nicht die Traumatisierung im Heimatland.

  • Gutachterliche Fragestellungen im Asylgesetz betreffen vor allem das Vorliegen von zielstaatsbezogenen Abschiebungs- oder inlandsbezogenen Vollstreckungshindernissen oder das Vorliegen der Voraussetzungen für Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz.

  • Sachverständige müssen vertraut sein mit kulturspezifischen Symptombildungen, interkulturell und im Umgang mit Traumatisierten kompetent sein.

  • Gutachter dürfen sich weder durch den Begutachteten noch für politische Zwecke instrumentalisieren lassen.