PSYCH up2date 2019; 13(05): 435-448
DOI: 10.1055/a-0847-9263
Spezielle Themen
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Internet-Interventionen in der Psychotherapie

Thomas Berger
,
Oliver Bur
,
Tobias Krieger
Weitere Informationen

Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
04. September 2019 (online)

Die Erforschung und Anwendung internetbasierter psychosozialer Interventionen hat in den letzten Jahren rapide zugenommen. Das neue Behandlungsformat bietet viele Chancen, weckt aber auch Skepsis und Bedenken. Dieser Beitrag gibt einen Überblick über verschiedene Formen von Internet-Interventionen, neuere Entwicklungen und den aktuellen Stand in Forschung und Praxis.

Kernaussagen
  • Die verschiedenen internetbasierten Interventionsformate lassen sich auf den Dimensionen automatisiert versus persönlich und auf Distanz versus vor Ort erbracht einordnen. Während ungeleitete Selbsthilfeprogramme vollständig automatisiert und auf Distanz vermittelt werden, erfolgen in anderen Interventionen zusätzliche persönliche Kontakte auf Distanz (angeleitete Selbsthilfeansätze) oder Psychotherapiesitzungen vor Ort (Blended Psychotherapien).

  • Zu den wichtigsten Herausforderungen bei Internet-Interventionen gehört die Sicherung der Qualifikation der Anbieter und Inhalte, der Vertraulichkeit der Daten und der Patientensicherheit.

  • Ungeleitete und angeleitete Selbsthilfeprogramme sind die am häufigsten erforschten Internet-Interventionen. Während angeleitete Selbsthilfeprogramme ähnlich wirksam sind wie Vor-Ort-Psychotherapien, sind ungeleitete Selbsthilfeprogramme oft mit hohen Abbruchraten und kleineren Effekten verbunden.

  • Via Internet kann eine gute Therapiebeziehung aufgebaut werden. Wie in der konventionellen Psychotherapie hängt in Internet-Interventionen die Qualität der Therapiebeziehung mit dem Therapieerfolg zusammen.

  • Für die psychotherapeutische Routinepraxis besonders vielversprechend sind Blended Therapien. Diese Kombinationsformate sind ein Beispiel dafür, wie Internet-Interventionen herkömmliche Psychotherapien nicht ersetzen, aber sinnvoll ergänzen können.

  • Ein Problem mit Internet-Interventionen ist, dass sie zwar gut erforscht, aber – zumindest in deutschsprachigen Ländern – noch nicht in die Routinepraxis implementiert sind.