Gastroenterologie up2date 2019; 15(01): 59-75
DOI: 10.1055/a-0851-4719
Darm/Anorektum
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Obstipation, Stuhlentleerungsstörung und Rektumprolaps

Christian Gingert
,
Franc Hetzer
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
27. März 2019 (online)

Obstipation ist ein Symptom. Es kann von unangenehmem Völlegefühl bis hin zu stärksten Schmerzen reichen. Die Therapiemöglichkeiten weisen ebenfalls eine große Bandbreite auf. In der täglichen Praxis finden sich regelmäßig Patienten mit Obstipation, was nicht zuletzt Gesundheitskosten verursacht [1], [2], [3].

Kernaussagen
  • Obstipation ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein Symptom anderer Ursachen. Es gibt einfache und schwerwiegende Formen, akute und chronische.

  • Die Slow-Transit-Obstipation beruht auf einer Motilitätsstörung und kann häufig konservativ beherrscht werden.

  • Die Outlet-Obstipation beruht entweder auf einem strukturellen Problem oder hat funktionelle Auslöser. Funktionelle Auslöser sollten primär konservativ und ergänzend mit einer Beckenbodentherapie behandelt werden. Bei Dyssynergie sollte mittels Biofeedbackübungen, bei Sensibilitätsstörungen mit Sensibilisierungsübungen therapiert werden, damit der Defäkationsreiz wieder einsetzen kann. Strukturelle Ursachen sind meist senkungsbedingt. Die Patienten müssen stark pressen, das Rektum sinkt immer mehr ab. So kann aus einer einfachen Einstülpung ein nach außen tretender Rektumprolaps werden.

  • Bei den OP-Verfahren wird zwischen transanalen und transabdominalen Zugängen unterschieden. Häufig durchgeführt wird die ventrale Rektopexie nach DʼHoore.

  • Welche Verfahren die besten sind, ist Inhalt vieler Diskussionen. Wichtig ist in jedem Fall, die Ursache der Obstipation herauszufinden, um die richtige Therapieentscheidung zu treffen. Die Patienten müssen stets nah und transparent geführt werden, die Vertrauensbeziehung ist in der Behandlung der Obstipation sehr wichtig.