Klinikarzt 2019; 48(04): 119
DOI: 10.1055/a-0852-8829
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Myokardinfarkt: Herausforderungen im klinischen Alltag

Christoph Liebetrau
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Publication Date:
03 May 2019 (online)

Die Optimierung der Versorgung von Patienten mit akutem Koronarsyndrom durch effizientere Logistik mit Etablierung von Herzinfarktnetzwerken und Chest-Pain-Units sowie die Verbesserungen in Diagnostik, invasiver Prozedur und der medikamentösen Therapie – Stichwort Thrombozytenaggregationshemmung – haben zu einer regredienten Sterblichkeit bei akutem Myokardinfarkt geführt. Nichtsdestotrotz sind die akuten ischämischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen führend in der Todesursachenstatistik, sodass eine stetige Fortbildung mandatorisch ist, um entsprechende Neuerungen und damit Verbesserung in der Patientenversorgung in die Praxis umsetzen zu können.

Inzwischen sind wir im klinischen Alltag mit einer Vielzahl verschiedener Herausforderungen konfrontiert. Das Thema "akutes Koronarsyndrom" wird immer mehr individualisiert behandelt. Angefangen von der Diagnostik mit Berücksichtigung der verschiedenen hochsensitiven Troponintests mit unterschiedlichen Grenzwerten und Algorithmen in der zeitlichen Troponinbestimmung, über die zeitliche Abfolge der möglichen invasiven Diagnostik oder aber auch der Berücksichtigung der nicht-invasiven Diagnostik. Während die transthorakale Echokardiografie standardmäßig bei ACS-Patienten durchgeführt wird, bieten insbesondere die Kardio-MRT und Kardio-CT differenzialdiagnostische Informationen sowie die Möglichkeiten zur Detektion struktureller Koronarpathologien bzw. deren funktionellen Auswirkungen. Dies könnte speziell zur Beantwortung der Frage zur Unterscheidung zwischen Myokardinfarkt Typ I und Typ II helfen.

Weiterhin nimmt die Individualisierung in der Patientenversorgung immer mehr zu, das sehen wir nicht zuletzt an verschiedensten Kombinationstherapien mit direkt oralen Antikoagulanzien und Thrombozytenaggregationshemmern, sondern auch an der individualisierten Laufzeit der Kombinationstherapien.

Mit der demografischen Entwicklung und daraus resultierenden immer älteren Patienten sind wir auch mit der Frage konfrontiert, ob jeder Patient mit akutem Koronarsyndrom einer invasiven Diagnostik zugeführt werden muss. Diese Frage stellt sich insbesondere, wenn nach initialer medikamentöser Therapie keine Beschwerden mehr vorherrschen.

Ein weiteres zentrales Thema ist Behandlung von ACS-Patienten mit kardiogenem Schock. Inzwischen haben wir eine verbesserte Evidenz, speziell bei Patienten mit Mehrgefäß-KHK. Dennoch bleiben offene Fragen bei der Anwendung von Linksherzunterstützungssystemen.

In der ihnen vorliegenden Ausgabe des klinikarzt haben wir uns den verschiedensten Themen rund um das akute Koronarsyndrom angenommen und mögliche Antworten und Handlungsanweisungen in den verschiedenen Übersichtsbeiträgen aufgeführt.