Z Orthop Unfall
DOI: 10.1055/a-0869-8190
Original Article/Originalarbeit
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Die septische Kniegelenksarthrodese mit dem Ilizarov-Ringfixateur: eine Analyse von 13 Fällen

Article in several languages: English | deutsch
Charlotte Reinke
Surgical Clinic and Polyclinic, Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil Bochum
,
Hinnerk Bäcker
Surgical Clinic and Polyclinic, Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil Bochum
,
Sebastian Lotzien
Surgical Clinic and Polyclinic, Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil Bochum
,
Thomas A. Schildhauer
Surgical Clinic and Polyclinic, Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil Bochum
,
Dominik Seybold
Surgical Clinic and Polyclinic, Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil Bochum
,
Jan Gessmann
Surgical Clinic and Polyclinic, Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil Bochum
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Publication Date:
18 September 2019 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund Kniegelenksinfekte mit ausgeprägter Gelenkdestruktion, Weichteil- und Knochenbeteiligung sind schwerwiegende Erkrankungen, bei denen nicht nur das Gelenk, sondern auch die gesamte Extremität unmittelbar gefährdet ist. Welche Ergebnisse lassen sich mit dem Ilizarov-Ringfixateur zur septischen Kniegelenksarthrodese erzielen?

Patienten und Methoden Zwischen 2005 und 2017 wurden 13 Patienten (4 Frauen und 9 Männer, Durchschnittsalter 46 Jahre) mit akut floriden Kniegelenks- und begleitenden Knochen- und Weichteilinfekten mit einer Ilizarov-Arthrodese des Kniegelenkes behandelt. Neben demografischen Daten wurden retrospektiv die Fixateurtragedauer, die Major- und Minorkomplikationen ausgewertet.

Ergebnisse Die durchschnittliche Tragezeit des Ilizarov-Ringfixateurs betrug 27 Wochen (min. 13, max. 68). Die knöcherne Arthrodese und Infektsanierung konnte bei 12 von 13 Patienten primär erzielt werden. Bei einem Patienten konnte eine verzögerte Heilung der Arthrodesezone durch 2-malige Spongiosaanlagerung zur Ausheilung gebracht werden, sodass schließlich bei allen Patienten eine knöcherne Kniegelenksarthrodese erreicht wurde. Pininfekte als Minorkomplikation während der Ringfixateurbehandlung traten häufig auf und konnten durch Stichinzision und Antibiose behandelt werden. Majorkomplikationen traten in 3 Fällen auf (2 Femurfrakturen periimplantär, 1 Pseudarthrose im Arthrodesebereich), die durch Erweiterung des Ilizarov-Ringfixateurs und schließlich Plattenosteosynthese oder durch Pseudarthrosenresektion und Spongiosaanlagerung ausbehandelt wurden.

Schlussfolgerung Die Kniegelenksarthrodese mit dem Ilizarov-Ringfixateur ist ein Salvage-Verfahren zum Extremitätenerhalt bei fulminanten Kniegelenks- und begleitenden Weichteilinfekten. Die Vorteile liegen in der Osteosynthesemöglichkeit im akut floriden Infekt und/oder chronischer Osteomyelitis sowie der direkten Vollbelastbarkeit. Nachteile sind lange und komplikationsreiche Behandlungszeiten im Fixateur bei eingeschränktem Patientenkomfort.