Psych Pflege 2019; 25(04): 157
DOI: 10.1055/a-0897-9238
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Publication Date:
30 July 2019 (online)

Angst steigert die Irritation Irritierter und die Verwirrung Verwirrter.

Manfred Hinrich (1926–2015; deutscher Kinderlieder- und Kinderbuchautor, Journalist und Aphoristiker)

Liebe Leserinnen und Leser,

wenn Menschen plötzlich in Krisen geraten, brauchen viele von ihnen Begleitung und Unterstützung von vertrauten Personen, Orientierung und Möglichkeiten zum Handeln. Für viele alte Menschen stellen eine akute Erkrankung und der damit verbundene Krankenhausaufenthalt eine Krise dar. Sie sind an einem fremden Ort, gewohnte Abläufe fehlen, der Tagesrhythmus ist ein völlig anderer. Was bei jedem Menschen bereits Angst und Stress verursachen kann, ist für die meisten der alten Menschen eine extreme emotionale Belastung.

Doch was es bedeutet, sich in einer solchen, vielleicht sogar existenziellen Krise, nicht mehr auf sich selbst, seine Sinne und Fähigkeiten verlassen zu können, ist für Außenstehende nur sehr schwer nachvollziehbar: Ich wache auf, weiß nicht mehr wo ich bin, sehe Dinge, die mir große Angst machen, um mich herum nur Fremde, deren Worte ich nicht verstehe. Ich will, nein, ich muss handeln, damit mir wenigstens die Hoffnung bleibt, zu überleben – jetzt brauche ich jemanden an meiner Seite, der mir all das gibt, was ich in einer Krise brauche.

Was man in einem Delir erlebt, wissen nur die wenigsten von uns aus Erfahrung. Was jedoch hilfreich und unterstützend sein kann, um diese akute schwere Krise zu bewältigen, das sollten wir einsetzen, um den Menschen das anzubieten, was sie in diesen Situationen am meisten brauchen: Begleitung von vertrauten Personen, Orientierung und Möglichkeiten zu handeln. Wie dies als multiprofessionelle Aufgabe gelingen kann, möchten wir im Schwerpunkt dieser Ausgabe aufzeigen.

Ich wünsche Ihnen viele neue und wertvolle Erkenntnisse beim Lesen.

Ihr
Stefan Blumenrode