Psych Pflege 2019; 25(04): 206
DOI: 10.1055/a-0897-9622
Rund um die Psychiatrie
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Für Sie gelesen: Aktuelle Studien: Rooney L, John M, Morison L. Communication strategies used by women to influence male partners to seek professional help for mental health problems: A qualitative study. Clinical Psychologist 2019; 1–9

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Publication Date:
30 July 2019 (online)

Hintergrund: Internationale Forschungen zeigen, dass Männer seltener als Frauen psychosoziale Dienste in Anspruch nehmen – obwohl ein Bedarf besteht. Die Partnerinnen spielen eine Schlüsselrolle dabei, ihre Lebensgefährten zu ermutigen, aktiv nach professioneller psychiatrischer Hilfe zu suchen. Wenn jedoch noch keine offizielle Diagnose erfolgt ist, ist es schwierig, niederschwellige verlässliche Informationen zu erhalten, welche konkrete Anhaltspunkte und Hilfen bieten, um den Partner zu unterstützen. Diese Studie untersuchte die Kommunikationsformen, die Partnerinnen verwenden, um ihre männlichen Lebensgefährten zu ermutigen, professionelle Hilfe bei einem psychischen Gesundheitsproblem in Anspruch zu nehmen.

Methode: An der Studie nahmen 15 Frauen im Alter von 28–71 Jahren teil. Alle Probandinnen wurden mit halbstrukturierten Interviews über ihre Erfahrungen, ihren Partner kommunikativ zu motivieren, um professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, befragt. Die Interviews wurden mit einem qualitativ-inhaltsanalytischen Verfahren analysiert.

Ergebnis: Die Ergebnisse zeigen, dass die Probandinnen anfänglich „Rollenanpassungen“ unternahmen und diese entsprechend wechselten, um die mentale Belastung ihrer männlichen Partner zu verringern. Sie versuchten dann, über das eigene Engagement für das persönliche Wohlbefinden zu werben, indem sie über die psychische Gesundheit und die Vorteile der professionellen psychiatrische Hilfe sprachen. Die Gespräche begannen mit einem sanften und einfühlsamen Kommunikationsstil, wie dem Andeuten und Hinweisen. Im nächsten Schritt wurde ein tendenziell eher durchsetzungsfähigere Kommunikationsart versucht, die als „Bedrohung“ und „emotionale Erpressung“ aufgefasst werden konnte, wenn die Frauen sehr besorgt waren, dass ihre Partner suizidgefährdet sein könnten, wenn sie sich weiterhin keine Hilfe suchen würden. Im nächsten Schritt kam es jedoch dazu, dass Paare über die konkrete Suche nach professioneller Hilfe sprechen konnten und der männliche Lebensgefährte Suizidgedanken eingestehen konnte.

Fazit: Partnerinnen nehmen eine Schlüsselrolle darin ein, Männer bei der Suche nach professioneller psychiatrischer Hilfe bei der Suizidprävention zu unterstützen. Frauen passten ihre Kommunikationsstrategien an, um dieses Ziel zu erreichen. Allgemeinmedizinern wird daher besonders empfohlen, potenzielle Bedenken der Lebensgefährtin zu psychischen Gesundheitsproblemen ihres Partners zu beachten.

Jörg Kußmaul