PSYCH up2date 2020; 14(01): 35-53
DOI: 10.1055/a-0901-5103
Neurotische, somatoforme und Belastungsstörungen
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

„Funktionelle Körperbeschwerden“: Klinisch relevante Leitlinien-Empfehlungen

Casper Roenneberg
,
Constanze Hausteiner-Wiehle
,
Peter Henningsen

Subject Editor: Wissenschaftlich verantwortlich gemäß Zertifizierungsbestimmungen für diesen Beitrag ist Dr. med. Casper J. Roenneberg, München.
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Publication Date:
07 January 2020 (online)

Behandler erleben Patienten mit funktionellen Körperbeschwerden oft als „schwierig“ – auch weil ihnen häufig das Wissen fehlt, wie sie mit dieser sehr heterogenen Patientengruppe umgehen und diese behandeln sollen. Dieser Beitrag soll Anwender bei diagnostischen und therapeutischen Entscheidungen unterstützen und dadurch helfen, die Lebensqualität der Betroffenen sowie die beiderseitige Behandlungszufriedenheit zu erhöhen.

Kernaussagen
  • Körperbeschwerden sind häufig, präsentieren sich mit unterschiedlichen Symptomen und sind in ihrer Ausprägung bzw. in ihrem Schweregrad verschiedenartig.

  • Die Prävalenz von funktionellen Körperbeschwerden in der Allgemeinbevölkerung wird mit etwa 10 % angegeben; im hausärztlichen Bereich liegt diese bei 20–50 % und in spezialisierten Settings zwischen 25 und 66 %.

  • Ätiologisch geht man bei funktionellen Körperbeschwerden von einer multifaktoriellen Genese aus, die aus verschiedenen und unterschiedlich gewichteten biopsychosozialen Faktoren besteht.

  • Die Einordnung „funktionell“ ist bei den ersten Präsentationen oftmals eine Herausforderung; sie sollte jedoch von Anfang an – gleichwertig wie potenzielle abwendbar gefährliche Verläufe der Beschwerden – mitgedacht werden.

  • Die initiale Grundversorgung besteht darin, funktionelle Körperbeschwerden zu bemerken und zu erkennen und den Patienten mit Zurückhaltung, Wachsamkeit und Empathie zu begegnen.

  • Die erweiterte Grundversorgung bezieht sich anfangs auf den bewussten weiteren Umgang mit Patienten (Simultandiagnostik sowohl somatischer als auch psychosozialer Anteile).

  • Der weitere Behandlungsverlauf besteht im Wesentlichen aus der Vermittlung eines nachvollziehbaren, für den Patienten akzeptablen Erklärungsmodells und der Stärkung von Selbstwirksamkeit.

  • Im Rahmen der multimodalen Behandlung liegt der Schwerpunkt auf der Einbindung von psychotherapeutischen sowie (teil)stationären Behandlungsformen sowie ggf. von rehabilitativen Maßnahmen.