Notaufnahme up2date 2019; 1(01): 67-80
DOI: 10.1055/a-0926-0953
Kinder, Geburt und Schwangerschaft
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Schädel-Hirn-Trauma bei Kindern

Peter Herkenrath

Subject Editor: Wissenschaftlich verantwortlich gemäß Zertifizierungsbestimmungen für diesen Beitrag ist Dr. med. Peter Herkenrath, Uniklinik Köln.
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Publication Date:
25 October 2019 (online)

Ein Schädel-Hirn-Trauma ist Folge einer Gewalteinwirkung, die zu einer Funktionsstörung und/oder Verletzung des Gehirns geführt hat. Im Kindesalter ist es nach wie vor Todesursache Nr. 1. Die Primärversorgung am Unfallort, auf dem Transport und in der Notaufnahme ist mit entscheidend für Verlauf und Prognose. Wichtige Aspekte der primären Diagnostik und Therapie des Schädel-Hirn-Traumas bei Kindern werden in diesem Beitrag vorgestellt.

Kernaussagen
  • Akzidentelle und nicht akzidentelle Traumen sind weltweit nach wie vor Todesursache Nr. 1 im Kindesalter.

  • Zwei Schädigungstypen: Kontakttraumen durch den Impakt und Schertraumen durch Beschleunigung des Gehirns.

  • Die Primärversorgung vor Ort und auf dem Transport ist mit entscheidend für Verlauf und Prognose.

  • Die Indikation zur Bildgebung sollte risikoadaptiert gestellt werden. Ablauf bzw. Physik des Unfalls analysieren!

  • Beim leichten SHT ist in der Regel keine spezifische Therapie erforderlich. Beschwerden wie Schwindel und Kopfschmerzen sollten im Laufe von einigen Wochen abklingen. Körperliche Belastung und Sport sind erst nach fachärztlicher Untersuchung und Freigabe sinnvoll.

  • Beim mittelschweren und schweren SHT wird der Patient intensivmedizinisch interdisziplinär betreut und überwacht.

  • Spätfolgen von SHT werden häufig unterschätzt, da das zumeist eingesetzte CCT zerebrale Schertraumen nur unzureichend erfasst. Im Zweifel kranielle MRT sekundär durchführen.

  • Die neurologische Frührehabilitation sollte den Patienten von der Akutphase an nahtlos begleiten.

  • Bei Verdacht auf ein nicht akzidentelles Trauma werden der Kinderschutzbeauftragte und das Jugendamt eingeschaltet.