Z Orthop Unfall
DOI: 10.1055/a-0938-7041
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Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Dissektion und Thrombosierung der Arteria axillaris bei geschlossener, proximaler Humerusfraktur – eine seltene interdisziplinäre Herausforderung

Article in several languages: English | deutsch
Sam Razaeian
1  Unfallchirurgische Klinik, Medizinische Hochschule Hannover
,
Saad Rustum
2  Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie, Medizinische Hochschule Hannover
,
Lena Sonnow
3  Institut für diagnostische und interventionelle Radiologie, Medizinische Hochschule Hannover
,
Rupert Meller
1  Unfallchirurgische Klinik, Medizinische Hochschule Hannover
,
Christian Krettek
1  Unfallchirurgische Klinik, Medizinische Hochschule Hannover
,
Nael Hawi
1  Unfallchirurgische Klinik, Medizinische Hochschule Hannover
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Publication Date:
16 September 2019 (eFirst)

Zusammenfassung

Hintergrund Neurovaskuläre Begleitverletzungen der unmittelbar benachbarten A. axillaris sowie des Plexus brachialis sind im Rahmen proximaler Humerusfrakturen mit einer Prävalenz von 0,09 bzw. 0,14% eine Rarität, haben jedoch erhebliche Auswirkungen auf die Wahl der Therapie und Prognose. Begleitende Verletzungen der A. axillaris können sich klinisch sehr heterogen präsentieren und, dem ausgeprägten Kollateralnetzwerk der Schulter geschuldet, auch maskiert bleiben, was ihre Diagnose in der Akutsituation erschwert und undiagnostiziert bei prolongierter Ischämie zu Nekrosen bis zum Verlust der Extremität führen kann.

Patienten/Material und Methoden Wir berichten im Folgenden über Diagnose, Therapie und das funktionelle Ergebnis nach erlittener, traumatischer Dissektion und Thrombosierung der A. axillaris sowie Plexusaffektion im Rahmen einer geschlossenen, proximalen Humerusfraktur bei einem 76-jährigen Patienten, der mit erheblicher Verzögerung nach Fehltriagierung über die Neurologie in der unfallchirurgischen Notaufnahme vorstellig wurde.

Ergebnisse Sechs Wochen postoperativ ist trotz klinisch-radiologisch adäquatem Versorgungsergebnis das funktionelle Outcome unter persistierender Plexopathie bei einer subjektiven Schulterfunktion von nur 10% und einem Constant-Shoulder-Score von 17/100 Punkten limitiert.

Schlussfolgerung Trotz früher Diagnose und Therapie ist das Outcome durch das Maß der neurologischen Morbidität bei begleitender Plexusaffektion bestimmt und limitiert, die weder akut lebens- noch extremitätengefährdend ist und deshalb in ihrer Bedeutung oft unterschätzt wird. Die Langzeitprognose von Patienten mit diesem Verletzungsmuster bleibt ungewiss.