Klinikarzt 2019; 48(06): 224-229
DOI: 10.1055/a-0943-5373
Schwerpunkt
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Diagnostik und Therapie des Ösophaguskarzinoms

Welches Tumorstadium erfordert welches Therapiekonzept?
Sylvie Lorenzen
1  Klinik und Poliklinik für Chirurgie, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München
,
Dominik Schulz
2  II Medizinische Klinik, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München
,
Michael Quante
2  II Medizinische Klinik, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München
,
Stephanie Combs
3  Klinik für Strahlentherapie, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München
,
Ralf Gertler
1  Klinik und Poliklinik für Chirurgie, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München
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Publication Date:
17 July 2019 (online)

ZUSAMMENFASSUNG

Trotz Fortschritten in der Behandlung des Ösophaguskarzinoms ist das 5-Jahresüberleben der Patienten mit 15–20 % vergleichsweise gering. Im Frühstadium ist der Tumor asymptomatisch, sodass die Diagnose meistens eher zufällig im Rahmen einer Endoskopie zur Abklärung anderer Symptome gestellt wird. Beim Ösophaguskarzinom handelt es sich um 2 unterschiedliche Tumorentitäten, das Adenokarzinom und das Plattenepithelkarzinom, die sich sowohl in der Ätiologie, der Epidemiologie als auch in Therapie und Prognose unterscheiden. Das Leitsymptom von Karzinomen des Ösophagus ist die Dysphagie oder Odynophagie. Um eine optimale, an das Stadium angepasste Therapie zu finden, ist ein möglichst genaues Staging im Rahmen der TNM-Klassifikation nötig. Die hierfür wichtigsten Untersuchungen sind die Ösophagogastroduodenoskopie (ÖGD) mit Probeentnahme, die Endosonografie und die Computertomografie (CT). Bei allen Patienten mit neu aufgetretener Dysphagie, gastrointestinaler Blutung, rezidivierender Aspiration, rezidivierendem Erbrechen, Dyspepsie, Gewichtsverlust und Inappetenz sollte leitliniengerecht eine hochauflösende ÖGD durchgeführt werden. Weitere gezielte diagnostische Maßnahmen richten sich nach der Tumorlokalisation. Beim Plattenepithelkarzinom stehen für alle nicht fernmetastasierten Tumorstadien die chirurgische Resektion, die Radio(chemo)therapie oder die Kombination dieser beiden als neoadjuvante Radiochemotherapie, gefolgt von der Operation zur Verfügung. Sowohl die Operation (mit oder ohne neoadjuvante Radio(chemo)therapie) als auch die definitive Radio(chemo)therapie wird in kurativer Intention durchgeführt. Mittlerweile werden fast alle Patienten mit Adenokarzinomen des ösophago-gastralen Übergangs (AEG) in einem lokal fortgeschrittenen Tumorstadium (uT3, N0/ + , cM0) einem multimodalen Therapiekonzept zugeführt. Eine neoadjuvante oder perioperative Therapie gefolgt von OP kann bei gutem Ansprechen nicht nur die lokale Resektabilität, sondern auch das Gesamtüberleben im Vergleich zur alleinigen OP verbessern.