Z Orthop Unfall
DOI: 10.1055/a-0965-7589
Original Article/Originalarbeit
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Die Kernspintomografie bei Beckenfrakturen – Teil 1: Welche Kriterien veranlassen uns zur ergänzenden MRT-Diagnostik?

Article in several languages: English | deutsch
Patricia Lang
1  Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, Rekonstruktive und Septische Chirurgie, Sporttraumatologie, Bundeswehrkrankenhaus Ulm
,
Charlotte Merz
1  Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, Rekonstruktive und Septische Chirurgie, Sporttraumatologie, Bundeswehrkrankenhaus Ulm
,
Carsten Hackenbroch
2  Klinik für Radiologie und Neuroradiologie, Bundeswehrkrankenhaus Ulm
,
Benedikt Friemert
1  Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, Rekonstruktive und Septische Chirurgie, Sporttraumatologie, Bundeswehrkrankenhaus Ulm
,
Fabian Stuby
3  BG Unfallklinik Murnau
,
Hans-Georg Palm
1  Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, Rekonstruktive und Septische Chirurgie, Sporttraumatologie, Bundeswehrkrankenhaus Ulm
,
AG Becken III der DGU® › Author Affiliations
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Publication History

Publication Date:
18 September 2019 (eFirst)

Zusammenfassung

Einleitung Isolierte Beckenfrakturen sind mit einer Inzidenz von 3 – 6% aller Frakturen relativ selten, ihre Inzidenz steigt bei Polytraumatisierten jedoch bis auf 25% an. Die S3-Leitlinie „Polytrauma“ gibt eine klare Empfehlung zur Diagnostik mittels Beckenübersichtsröntgen (Rö) bzw. Computertomografie (CT). Eine Empfehlung zur Diagnostik mittels Magnetresonanztomografie (MRT), insbesondere bei Patienten mit niedrigenergetischem/fehlendem Trauma, existiert derzeit nicht. Unklar ist, anhand welcher Kriterien die MRT bei Beckenfrakturen indiziert werden kann. Ziel unserer Studie war es daher, retrospektiv Hinweise zur Indikation einer MRT bei Beckenfrakturen – sowohl mit adäquatem als auch inadäquatem Trauma – zu erfassen.

Material und Methoden Im Rahmen einer retrospektiven klinischen Studie wurden über einen Zeitraum von 3 Jahren insgesamt 140 Patienten (Median 68 Jahre, Range 15 – 97, 75 weiblich und 65 männlich) mit einer Beckenfraktur, die an unserer Klinik behandelt worden waren, in die Studie eingeschlossen. Insgesamt zeigten sich anhand des Traumamechanismus 73 adäquate und 67 inadäquate Frakturen. 31/140 Patienten hatten zusätzlich zu einer CT-/Rö-Untersuchung eine MRT des Beckens erhalten. Die beiden Teilkollektive „mit MRT“ und „ohne MRT“ wurden hinsichtlich der Parameter „Geschlecht“, „Alter“, „Adäquatheit des Traumas“, „Frakturlokalisation“, „Dauer von Aufnahme bis zur Bildgebung“, „Art der Therapie“ und „Dauer bis zur Operation“ verglichen.

Ergebnisse Es zeigte sich, dass die MRT-Diagnostik insbesondere bei weiblichen, älteren Patienten durchgeführt wurde (81 Jahre, Range 19 – 94 Jahre). Patienten mit einem inadäquaten Trauma haben häufiger ein MRT erhalten (74%) als Patienten mit einem adäquaten Trauma (26%). Hinsichtlich der Frakturlokalisation konnten keine Unterschiede dargestellt werden. Das MRT wurde im Median 4 Tage nach der CT-Untersuchung durchgeführt. Hinsichtlich der Entscheidung „konservativ“ vs. „operativ“ unterschieden sich unsere beiden Gruppen ohne und mit MRT tendenziell nicht. Patienten mit MRT wurden im Median 2 Tage später operiert, als Patienten, die kein MRT erhalten haben.

Schlussfolgerung Das MRT bei Beckenfrakturen sollte vor allem bei älteren, weiblichen Patienten ohne adäquates Trauma durchgeführt werden. Bei Patienten mit einem adäquaten Trauma hat das MRT einen geringen Stellenwert, zumal die MRT-Diagnostik mit Verzögerung durchgeführt wird und dadurch auch zu einer späteren OP führt.