Nervenheilkunde 2020; 39(01/02): 93-97
DOI: 10.1055/a-0976-0583
Seelenkunde
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Verhaltensdispositionen II – Die psychosoziale Perspektive

Markus R. Pawelzik
1  Wilhelm Sander-Therapieeinheit NeuroOnkologie und Klinik und Poliklinik für Neurologie, Universität Regensburg
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Publication Date:
12 February 2020 (online)

Unser psychologisches Verständnis – in der Alltagspsychologie wie in den Verhaltenswissenschaften – ist ein „dispositionales“: Denn das zu verstehende Verhalten erscheint uns als Manifestation von Dispositionen – von Verhaltensbereitschaften, die im Organismus angelegt sind. Um die damit einhergehende Zuschreibung von psychologischen Eigenschaften wie Charakter, Trieben, Gewohnheiten, Strategien und mentalen Zuständen nicht ins Kraut der Beliebigkeit sprießen zu lassen, müssten wir diese in konstitutiven physiologischen Mechanismen verankern, so die Argumentation des I. Teils. Da sich dies als schwierig, wenn nicht gar als undurchführbar erweist [1], werde ich im Folgenden einen alternativen Weg beschreiten und die psychosoziale bzw. pragmatische Dimension unseres „Verhaltensdispositionalismus“ unter die Lupe nehmen.