Z Orthop Unfall
DOI: 10.1055/a-0979-2346
Original Article/Originalarbeit
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Die geschlossene Reposition der Säuglingshüfte als therapeutischer Goldstandard der kongenitalen Hüftluxation

Article in several languages: English | deutsch
Sebastian G. Walter
Klinik und Poliklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Universitätsklinikum Bonn
,
Rahel Bornemann
Klinik und Poliklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Universitätsklinikum Bonn
,
Sebastian Koob
Klinik und Poliklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Universitätsklinikum Bonn
,
Robert Ossendorff
Klinik und Poliklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Universitätsklinikum Bonn
,
Richard Placzek
Klinik und Poliklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Universitätsklinikum Bonn
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Publication History

Publication Date:
18 September 2019 (eFirst)

Zusammenfassung

Hintergrund Die kongenitale Hüftluxation tritt mit einer Inzidenz von 0,4 – 0,7% auf, stellt eine präarthrotische Deformität dar und wird deshalb, wenn nicht frühzeitig im Säuglingsalter erfolgreich therapiert, umfangreiche operative Maßnahmen im Kindes- und frühen Erwachsenenalter erforderlich machen.

Methode Im Zeitraum von 01/2013 bis 02/2019 wurden 28 600 Hüftultraschalluntersuchungen an Säuglingen im Rahmen der U2 bzw. U3 durchgeführt. Dabei wurden 71 instabile dysplastische bzw. luxierte Hüften diagnostiziert und anschließend arthrografisch gestützt geschlossen reponiert. Das Repositionsergebnis wurde durch Anlage eines Becken-Bein-Gipses gesichert und im MRT mittels Azetabulum-Kopf-Index (AKI), Sphärizität und Kopf-Überdachungs-Index (KÜX) bzw. mittelfristig mittels Hüftsonografie nach Graf kontrolliert.

Ergebnisse Die Erfolgsquote geschlossener Reposition und damit Hüftausreifung betrug 91,6% bei der primären Reposition. Patienten mit primär nicht suffizient reponierbarer Hüfte waren signifikant (p = 0,003) älter als Patienten, deren Hüften primär geschlossen reponierbar waren. Kongenital luxierte bzw. instabile Hüften zeigten einen signifikant geringen AKI (p < 0,001), KÜX (p = 0,03) und eine signifikante Entrundung (Sphärizität; p < 0,001) im Vergleich zu stabilen Hüftgelenken.

Schlussfolgerung Die frühe Diagnose und Therapie der kongenitalen Hüftluxation mittels geschlossener Reposition ist entscheidend für eine regelhafte Ausreifung der Hüfte ohne zusätzliche chirurgische Maßnahmen.

Key messages

1. General hip screening (clinical and sonographic) for neonates is a reliable instrument for diagnosing hip dysplasia and dislocation.

2. Early diagnosis and treatment are essential for successful treatment of congenital hip dysplasia or dislocation.

3. Closed reduction has better success rates than other procedures for treatment of infant hip dislocation.

4. A combination of AHI, HCI and sphericity allow assessment of the reduction result on MRI.

5. Successful reduction regularly results in cartilage and bone maturation of the hips.

Kernaussagen

1. Ein generelles Hüftscreening (klinisch und sonografisch) für Neugeborene ist ein verlässliches Instrument zur Diagnose von Hüftdysplasien und -luxationen.

2. Die frühe Diagnose und Behandlung sind essenziell für eine erfolgreiche Therapie der kongenitalen Hüftdysplasie bzw. -luxation.

3. Die geschlossene Reposition hat bessere Erfolgsraten als andere Verfahren zur Therapie der Säuglingshüftluxation.

4. AKI, KÜX und Sphärizität erlauben in Zusammenschau eine Bewertung des Repositionsergebnisses im MRT.

5. Erfolgreiche Repositionen resultieren regelhaft in knorpeliger und knöcherner Ausreifung der Hüften.