Tierarztl Prax Ausg K Kleintiere Heimtiere 2019; 47(06): 460-461
DOI: 10.1055/a-0981-3900
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06 December 2019 (online)

Lahmheitsuntersuchung beim Hund. Funktionelle Anatomie, Diagnostik und Therapie

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D. Koch, M. S. Fischer, Hrsg. Lahmheitsuntersuchung beim Hund. Funktionelle Anatomie, Diagnostik und Therapie, 2. aktualisierte und erweiterte Aufl., 248 S., 450 Abb., gebunden, Stuttgart: Georg Thieme Verlag 2019, 99,99 €, ISBN: 978–3–13–242101–1

Im täglichen klinischen Alltag gehört die Lahmheitsdiagnostik beim Hund zu den grundlegenden Standardtätigkeiten eines praktischen Tierarztes. Für die strukturierte Aufarbeitung dieser Fälle sind eine exakte Kenntnis der Anatomie und Physiologie des Bewegungsapparats, die akribische klinische Lahmheitsuntersuchung – in Verbindung mit dem Wissen über mögliche Differenzialdiagnosen – und die zielgerichtete Anwendung der diagnostischen Mittel der einzig richtige Weg zur gesicherten Diagnose und der daraus resultierenden erfolgreichen Therapie. Dieses Werk geht in seiner systematischen Schritt-für-Schritt-Anleitung auf genau diese Themen ein.

Im ersten von 3 Teilen werden die vollständige Bewegungsphysiologie inklusive der Bewegungskinematik einzelner Gliedmaßen und die Bewegungsmuster in verschiedenen Gangarten ausführlich beschrieben und in anschaulichen grafischen Darstellungen präsentiert. Neben einem ausführlichen Überblick über den Einfluss der Fütterung und des notwendigen Energiebedarfs für Wachstum und Fortbewegung wird die funktionelle Anatomie in Osteologie, Myologie und Arthrologie für jeden einzelnen Knochen, Muskel bzw. für jedes einzelne Gelenk in detaillierten Grafiken im Bewegungsablauf dargestellt. In diesem Abschnitt wird auch die klinische Relevanz am Ende eines Kapitels durch einen praxisbezogenen, kurz und prägnant zusammenfassenden Schaukasten hervorgehoben. Der 2. Teil des Buchs gibt dem Praktiker einen roten Faden zu einer klinischen Lahmheitsdiagnostik an die Hand, mit vielen Fotografien der orthopädischen Untersuchung und schematischen Zeichnungen von anatomischen Strukturen und Muskelgruppen. Unterstützt werden die Standbilder durch webbasierte Videos zu einzelnen Untersuchungstechniken, die durch einen QR-Code aufgerufen werden können. Hierdurch kann auch der ungeübte Tierarzt den Ablauf seiner Lahmheitsdiagnostik durch die Übertragung gezielter Handgriffe optimieren. Pathologische Befunde der einzelnen Untersuchungsschritte werden in einem roten Kasten mit den jeweiligen Differenzialdiagnosen übersichtlich zusammengefasst und bei bestimmten Erkrankungen, z. B. der Patellaluxation, durch eine tabellarische Darstellung der Graduierung ergänzt.

Konnte durch die klinische Lahmheitsuntersuchung schlussendlich eine Diagnose bzw. Differenzialdiagnosenliste erstellt werden, findet sich im 3. Teil dieses Werks eine Hilfestellung zur Therapieplanung für die häufigsten orthopädischen Erkrankungen. Krankheitskomplexe werden anschaulich mit röntgenologischen Aufnahmen in Verbindung mit passenden Abbildungen und intraoperativen Situsbildern von der Ätiologie über die Befunde aus dem klinischen Untersuchungsgang und der bildgebenden Diagnostik bis hin zur Therapie erläutert. Als vollständige Abhandlung aller orthopädischen Erkrankungen reicht der Umfang dieses Werks jedoch nicht aus und ist auch sicherlich nicht als der Schwerpunkt dieses Buchs zu verstehen.

Neu in dieser Auflage findet sich am Ende eines jeden Abschnitts eine kurze Einführung sowohl in die Neuroanatomie und -physiologie, den neurologischen Untersuchungsgang als auch in ausgewählte neurologische Erkrankungen. Diese Zusatzinformationen sind für den Untersucher sehr hilfreich, da in der ersten Einschätzung eine komplexe und diffizile Lahmheit nicht immer eindeutig von einer Lähmung zu differenzieren ist.

Dieses Werk stellt durch seine überaus detailreichen Informationen und Ausarbeitungen zum Bewegungsablauf des Hundes und der ausführlich – nicht zuletzt aufgrund der Videos – und anschaulich dargestellten Schritt-für-Schritt-Lahmheitsuntersuchung beim Hund ein empfehlenswertes Basiswerk für viele klinisch tätige Kollegen und Veterinärmedizinstudenten dar und es bleibt zu hoffen, dass sich möglichst viele Kollegen bei ihren künftigen Lahmheitsuntersuchungen an diesem Werk orientieren werden. Dieses Buch wird seinen berechtigten Platz in der Fachliteratur finden.

Dr. Norbert Langen, Gießen