Pädiatrie up2date 2020; 15(01): 79-90
DOI: 10.1055/a-0993-7562
Neuropädiatrie/Psychiatrie
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Disruptive Stimmungsdysregulationsstörung

Andreas Witt
,
Jörg M. Fegert
,
Michael Kölch
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Publication History

Publication Date:
05 March 2020 (online)

Die disruptive Stimmungsdysregulationsstörung ist eine im DSM-5 neu eingeführte Diagnose. Ursächlich wird eine affektive Dysregulation angenommen, die sich in extremen Wutanfällen und gereizter Stimmung zwischen diesen Anfällen äußert. Bezüglich dieses bei Kindern häufigen Verhaltensproblems sollten insbesondere im pädiatrischen Bereich tätige Ärzte die Kriterien dieser neuen diagnostischen Entität, aber auch die Diskussion und Kritik dieser Diagnose kennen.

Kernaussagen
  • Die DMDD ist eine im DSM-5 neu eingeführte Diagnose. Den Kern der Störung bildet eine affektive Dysregulation, die durch starke Wutausbrüche und Phasen gereizter Stimmung zwischen den Wutausbrüchen gekennzeichnet ist.

  • Die Prävalenz der DMDD liegt zwischen 0,8 und 3,3%.

  • Die Diagnose der DMDD ist eine klinische Diagnose, die auf der Anamnese, Verhaltensbeobachtung und psychischer Exploration beruht. Entscheidend bei der Diagnosestellung ist, dass die Symptomatik situationsübergreifend auftritt.

  • Bei der Behandlung spielen psychotherapeutische Behandlungsansätze, die bereits bei der Behandlung von internalisierenden und externalisierenden Verhaltensweisen eingesetzt werden, eine wichtige Rolle.

  • Generell erfolgt die Pharmakotherapie bezüglich einer DMDD-Symptomatik gegenwärtig als Off-Label-Verordnung, da die Diagnose in Deutschland nicht nach ICD-10 kodierbar ist und es keine Zulassung für ein Arzneimittel gibt.