Aktuelle Kardiologie 2019; 8(05): 376-380
DOI: 10.1055/a-0998-3842
Kurzübersicht
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Therapieresistente und -refraktäre Hypertonie

Therapy Resistant and Refractory Hypertension
Rainer Düsing
Kardiologie, Angiologie, Prävention, Rehabilitation, Hypertoniezentrum Bonn
› Institutsangaben
Weitere Informationen

Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
15. Oktober 2019 (online)

Zusammenfassung

Als therapieresistent werden Patienten bezeichnet, die unter Allgemeinmaßnahmen und einer angemessenen medikamentösen Therapie mit mindestens 3 antihypertensiven Substanzen aus unterschiedlichen Wirkstoffgruppen inklusive eines Diuretikums keinen Blutdruckabfall auf Werte < 140/90 mmHg erreichen. Eine erweiterte Definition der Therapieresistenz umfasst alle Patienten mit ≥ 4 Medikamenten unabhängig vom Blutdruck unter Therapie. Als „therapierefraktär“ werden einem neueren Konsensus zufolge Patienten bezeichnet, deren Blutdruck mit ≥ 5 Medikamenten inklusive des Thiazid-artigen Diuretikums Chlortalidon und des Mineralokortikoidrezeptor-Antagonisten Spironolacton unkontrolliert bleibt. Nach Ausschluss einer „Pseudoresistenz“, insbesondere infolge Praxishypertonie und Non-Adhärenz mit der medikamentösen Therapie, können die Patienten identifiziert werden, bei denen eine „echte“ oder „wirkliche“ Therapieresistenz vorliegt. Vor Ausschluss einer Pseudoresistenz sollte daher der Begriff „apparente“ Resistenz verwandt werden. Die Prävalenz der apparenten Therapieresistenz dürfte in dem Bereich 10 – 15% der behandelten Patienten liegen. Die exakte Prävalenz der wirklichen Therapieresistenz bleibt bei unzureichender Studienlage weiterhin unklar. Bei hohen Raten pseudoresistenter Patienten ist die Prävalenz der wirklichen Therapieresistenz jedoch als klein einzuschätzen. Hinzu kommen hohe Raten von sekundären Hypertonieformen bei diesen selektionierten Patienten. Nach deren Identifizierung sollte bei der Mehrzahl der wirklich therapieresistenten Patienten therapeutisch eine Intensivierung der medikamentösen Therapie primär durch eine verstärkte diuretische Therapie initiiert werden. Die resistente Hypertonie ist damit primär eine diagnostische Herausforderung, die in der Identifizierung der Patienten mit wirklicher Therapieresistenz und dem Nachweis/Ausschluss einer sekundären Hypertonieform besteht.

Abstract

Hypertension is defined as resistant to treatment when treatment fails to lower office systolic and diastolic blood pressure values to < 140/90 mmHg. The treatment strategy should include lifestyle measures and appropriate doses of three or more drugs acting by different mechanisms including a diuretic. An updated definition of treatment resistance includes all patients with ≥ 4 antihypertensive agents of different classes irrespective of their on-treatment blood pressure. The term “refractory” hypertension has been suggested for patients with uncontrolled blood pressure on ≥ 5 antihypertensive drugs including the thiazide-like diuretic chlorthalidone and the mineralocorticoid receptor antagonist spironolactone. “Pseudo resistance” especially due to white coat hypertension and non-adherence with the prescribed medication has to be ruled out to be able to identify patients with “true” treatment resistance. Therefore, before distinguishing true from pseudo resistance, the term “apparent” resistance should be used. While the prevalence of apparent resistance may be in the range of 10 – 15% of treated patients, the exact prevalence of true resistance remains unknown due to the lack of appropriate studies but is likely to be rather small including a high proportion of patients with secondary forms of hypertension. Once identified most patients with true treatment resistance should receive intensified drug treatment primarily by expanded diuretic usage. Thus, resistant hypertension is primarily a diagnostic challenge: identifying patients with true resistance and those with secondary hypertension.

Was ist wichtig?
  • Eine „apparente“ therapieresistente Hypertonie ist häufig und kann bei etwa 10 – 15% der behandelten Hypertoniepatienten diagnostiziert werden.

  • Bei etwa 90% handelt es sich jedoch um eine Pseudoresistenz infolge insuffizienter Medikation, Praxishypertonie oder Non-Adhärenz mit der medikamentösen Therapie.

  • Bei den verbleibenden 10% der Patienten kann in vielen Fällen eine sekundäre Hypertonie nachgewiesen werden.

  • Eine „wirkliche“ oder „echte“ Therapieresistenz ist demzufolge selten und erfordert dann eine Erweiterung der medikamentösen antihypertensiven Therapie.

  • Die Diagnose einer „apparenten“ Therapieresistenz bedeutet damit primär die diagnostische Herausforderung, Praxishypertonie, Non-Adhärenz und eine sekundäre Hypertonieursache auszuschließen.