Notfallmedizin up2date 2020; 15(03): 269-283
DOI: 10.1055/a-1071-9960
Neurologische Notfälle

Schlaganfall: Logistik in der Thrombektomie-Ära

Tobias Neumann-Haefelin

Die mechanische Thrombektomie hat die Akutbehandlung des ischämischen Schlaganfalls revolutioniert. Schwerbetroffene Patienten mit einem Großgefäßverschluss (GGV) können von der Behandlung erheblich profitieren, die aber nur in einem Teil der Stroke Units in Deutschland angeboten wird. Von überragender Bedeutung ist eine möglichst optimale Organisation der lokalen Versorgungs- und Behandlungsnetzwerke. Gerade bei Thrombektomiepatienten ist die Logistik sowohl in der Prähospitalphase als auch initial im Krankenhaus herausfordernd.

Kernaussagen
  • Patienten mit Großgefäßverschluss (GGV) sind meist schwer betroffen und haben ohne erfolgreiche Rekanalisation eine sehr schlechte Prognose.

  • Die mechanische Thrombektomie ist bei Schlaganfallpatienten mit einem GGV eine hochwirksame Therapie.

  • Etwa 5% aller Schlaganfallpatienten werden aktuell in Deutschland thrombektomiert. Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu 10% potenziell thrombektomiert werden könnten. Das Zeitfenster beträgt bis zu 24 h.

  • Einrichtungen mit überregional zertifizierter Stroke Unit bieten die mechanische Thrombektomie 24/7 an.

  • Schlaganfallpatienten werden meist in die nächstgelegene Stroke Unit gebracht und bei Nachweis eines GGV in ein Thrombektomiezentrum verlegt, sofern vor Ort keine Thrombektomiemöglichkeit besteht.

  • Eine enge Kooperation zwischen Zentren unterschiedlicher Versorgungsstufen, in der Regel in einem festen Netzwerk, ist von wesentlicher Bedeutung für den Behandlungserfolg.

  • Alternative Strategien (z. B. der Einsatz von klinischen Scores, mobile Stroke Units, Drive-the-Doctor- bzw. Flying-Doctors-Konzepte) sind in Erprobung und können die Zeit bis zur Behandlung potenziell verkürzen.



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Publication Date:
03 September 2020 (online)

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