PSYCH up2date 2020; 14(03): 219-233
DOI: 10.1055/a-1081-9426
Schizophrenien, schizophreniforme und wahnhafte Störungen

Schizophrenie: Aktualisierte Leitlinie veröffentlicht

Alkomiet Hasan
,
Astrid Röh
,
Wolfgang Gaebel

Subject Editor: Wissenschaftlich verantwortlich gemäß Zertifizierungsbestimmungen für diesen Beitrag ist Prof. Dr. med. Alkomiet Hasan, Augsburg.

Seit Frühjahr 2019 ist die aktualisierte S3-Leitlinie Schizophrenie verfügbar. Sämtliche Empfehlungen zur multiprofessionellen Diagnostik und Therapie der Schizophrenie wurden in einem mehrstufigen Prozess überarbeitet und konsentiert und stellen den neuen Behandlungsstandard in Deutschland dar. Dieser CME-Artikel stellt die aktualisierte S3-Leitlinie und ausgewählte Empfehlungen für die klinische Praxis dar.

Kernaussagen
  • Die aktualisierte S3-Leitlinie Schizophrenie ist frei auf der Website der AWMF verfügbar (https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/038-009.html).

  • In allen Phasen und Aspekten des Versorgungsprozesses sind dabei das multiprofessionelle und multimodale Vorgehen bei durchgehend empathisch-wertschätzender therapeutischer Haltung von besonderer Bedeutung.

  • Jedem Menschen mit einer Schizophrenie soll die Kombination aus einem Antipsychotikum in Monotherapie und einer kognitiven Verhaltenstherapie angeboten werden.

  • Die Auswahl der Antipsychotika, insbesondere in den frühen Phasen der Erkrankung, erfolgt dabei v. a. basierend auf Verträglichkeitsüberlegungen. Hier gilt der Merksatz: „Die Unterschiede in der Verträglichkeit sind größer als die Unterschiede in der Wirksamkeit“.

  • Die Priorisierung bestimmter Substanzen, außer in Fällen der pharmakologischen Therapieresistenz, in Bezug auf Wirksamkeitsüberlegungen wurde aufgehoben.

  • Bevor eine antipsychotische Kombinationstherapie angeboten wird, empfiehlt die Leitlinie den Einsatz von Clozapin.

  • Verschiedene psychotherapeutische Verfahren (KVT, Familieninterventionen, Psychoedukation, soziales Kompetenztraining, kognitive Remediation) haben die höchste Empfehlungsstärke erhalten und die neue Leitlinie schlägt eine Differenzierung der Verfahren vor.

  • Eine antipsychotische Rezidivprophylaxe ohne Angabe der Dauer wird mit dem höchsten Evidenzgrad empfohlen und die Leitlinie weist auf das erhöhte Rezidivrisiko bei Dosisreduktion oder Absetzen der antipsychotischen Medikation hin.

  • Das Entdecken, die Einordung und die Behandlung von somatischen Komorbiditäten und Nebenwirkungen sind entscheidende Elemente einer modernen Behandlung von Menschen mit einer Schizophrenie.



Publication History

Publication Date:
04 May 2020 (online)

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