Gastroenterologie up2date 2021; 17(02): 169-182
DOI: 10.1055/a-1101-4701
Darm/Anorektum

Durchblutungsstörungen des Darmtraktes

Guntram Lock

Durchblutungsstörungen des Gastrointestinaltraktes sind im klinischen Alltag zwar seltene, aber häufig kritische Ereignisse – aufgrund der demografischen Entwicklung ist von einer steigenden Inzidenz auszugehen. Je nach Lokalisation und Ausprägungsgrad reicht das Spektrum von einer reversiblen Mukosaschädigung bis zu einer letalen Komplettnekrose des Darmes. Die Diagnose kann schwierig sein und erfordert ein rasches zielgerichtetes Handeln.

Kernaussagen
  • Die mesenteriale Ischämie und die ischämische Kolitis sind Krankheitsbilder mit unterschiedlicher Ätiologie, Diagnostik, Therapie und vor allem Prognose. Sie sollten im klinischen Alltag daher klar voneinander differenziert werden.

  • Intestinale Durchblutungsstörungen können grundsätzlich okklusiv oder nicht okklusiv, arteriell oder venös, akut oder chronisch auftreten.

  • Eine ischämische Kolitis ist in aller Regel nichtokklusiver Genese und heilt meistens unter konservativer Therapie aus.

  • Die akute mesenteriale Ischämie weist weiterhin eine hohe Mortalität auf; die meisten Patienten versterben.

  • Eine Verbesserung der Prognose der akuten mesenterialen Ischämie ist nur durch eine möglichst rasche Diagnose zu erreichen. Die Verantwortung dafür liegt entscheidend in der Hand der erstversorgenden Ärzte und ihrer Bereitschaft, diese Diagnose und die entsprechenden weiteren Schritte in ihr Denken und Handeln einzubeziehen.

  • Es gibt keine Laborparameter, die die Diagnose einer akuten mesenterialen Ischämie rechtzeitig sichern oder ausschließen können. Auch das Laktat eignet sich nicht als Frühdiagnostikum; insbesondere kann ein normales Laktat eine akute mesenteriale Ischämie nicht ausschließen!

  • Bildgebendes Verfahren der Wahl bei der akuten mesenterialen Ischämie ist ein kontrastverstärktes Angio-CT.

  • Therapeutisches Verfahren der Wahl bei der akuten mesenterialen Ischämie ist in den meisten Fällen eine rasche chirurgische Versorgung.

  • Bei der chronischen mesenterialen Ischämie geht der Trend klar zur angiografisch-interventionellen Therapie.



Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
14. Juni 2021 (online)

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