Tierarztl Prax Ausg G Grosstiere Nutztiere 2020; 48(02): 80-91
DOI: 10.1055/a-1115-8652
Originalartikel

Bekämpfung des Porzinen Reproduktiven und Respiratorischen Syndroms in Sachsen und Thüringen

Ergebnisse zweier freiwilliger Landesprogramme in den Jahren 2011–2018Porcine reproductive and respiratory syndrome control in Saxony and ThuringiaResults of 2 voluntary regional programmes in the years 2011–2018
Karina Rettenberger
1  Thüringer Tierseuchenkasse AdöR, Tiergesundheitsdienst, Jena
1  Thüringer Tierseuchenkasse AdöR, Tiergesundheitsdienst, Jena
,
Helga Vergara
2  Sächsische Tierseuchenkasse AdöR, Tiergesundheitsdienst, Dresden
,
Sabine Eger
1  Thüringer Tierseuchenkasse AdöR, Tiergesundheitsdienst, Jena
,
Philipp Schwödiauer
1  Thüringer Tierseuchenkasse AdöR, Tiergesundheitsdienst, Jena
,
Gerald Reiner
3  Klinik für Schweine (Innere Medizin und Chirurgie), Justus-Liebig-Universität Gießen
,
Karsten Donat
1  Thüringer Tierseuchenkasse AdöR, Tiergesundheitsdienst, Jena
4  Klinik für Geburtshilfe, Gynäkologie und Andrologie der Groß- und Kleintiere mit Tierärztlicher Ambulanz, Justus-Liebig-Universität Gießen
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Zusammenfassung

Gegenstand und Ziel Die Studie soll den Fortschritt der freiwilligen Sanierungsprogramme bezüglich des Porzinen Reproduktiven und Respiratorischen Syndroms (PRRS) in Thüringen und Sachsen zeigen und die Bedeutung der Abklärungsuntersuchungen im Fall von positiven Befunden in unverdächtigen Betrieben herausstellen.

Material und Methoden Zur Darstellung des Sanierungsfortschritts wurden die Befunde der Jahre 2011–2018 sowie Daten zur Sanierung, der Betriebsform und -größe und zum Einsatz einer PRRS-Impfung zusammengestellt. Jedem Betrieb wurde für jedes untersuchte Jahr ein Antikörper- und ein PCR-Status zugeordnet. Neben einer Entwicklung der Befunde über die Jahre wurden die Beziehungen zwischen den Status und der Herdengröße bzw. dem Einsatz der PRRS-Impfung untersucht. Die Bedeutung der Abklärungsuntersuchungen wird anhand von Befunden der Betriebe in den Jahren nach der Sanierung gezeigt.

Ergebnisse In Sachsen wurde die Infektion mit dem Virus des Porzinen Reproduktiven und Respiratorischen Syndroms (PRRSV) meist durch einen Bestandsaustausch saniert. In Thüringen erfolgte häufig eine Sanierung bei laufender Produktion. In beiden Bundesländern war im untersuchten Zeitraum eine signifikante Reduktion der positiven Antikörper- und PCR-Befunde festzustellen. In Betrieben mit Einsatz einer PRRS-Impfung gab es mehr Antikörper- und PCR-Nachweise. In den Jahren nach der Sanierung traten in einzelnen PRRSV-unverdächtigen Betrieben positive PRRSV-Antikörper-Befunde auf, die sich nach Abklärungsuntersuchungen als falsch positiv erwiesen.

Schlussfolgerungen Der Anteil PRRSV-positiver Bestände in einer Region mit geringer Schweinedichte lässt sich durch freiwillige Bekämpfungsprogramme senken, das Sanierungsverfahren spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Der Einsatz einer Impfung gegen PRRS sollte gegen andere Bekämpfungsmaßnahmen abgewogen werden. Bei positiven Befunden in unverdächtigen Betrieben sollte eine Abklärungsuntersuchung durchgeführt werden, damit ein möglicher PRRS-Einbruch ausgeschlossen werden und der Betrieb seinen Status behalten kann.

Klinische Relevanz Die freiwillige PRRS-Sanierung auf Bestandsebene und der Erhalt des Status „PRRSV-unverdächtiger Bestand“ ist möglich, auch wenn einzelne Betriebe der Region nicht an dem Sanierungsprogramm teilnehmen.

Abstract

Objective The present study is intended to show the progress of voluntary porcine reproductive and respiratory syndrome (PRRS) control programmes in Thuringia and Saxony as well as to emphasize the importance of confirmation testing in the case of positive findings in unsuspicious herds.

Material and methods In order to present the progress of porcine reproductive and respiratory syndrome virus (PRRSV) elimination, the findings for the years 2011–2018 as well as data on the elimination programme, type and size of the farms, and use of PRRS vaccination were compiled. Each herd was assigned an antibody and PCR status for each year in order to analyze the relationship between status and year. Furthermore, the association between status and herd size as well as the use of PRRS vaccination were investigated. The relevance of confirmation testing is shown by the findings of the herds in the years following PRRSV elimination.

Results In the majority of affected farms in Saxony, depopulation/repopulation was performed in order to eliminate PRRSV. In Thuringia, PRRSV elimination was frequently accomplished during ongoing production. A significant reduction of positive antibody and PCR findings was observed in both federal states during the investigation period. Higher antibody and PCR levels were evident in farms using PRRS vaccination. In the years following PRRSV elimination, positive PRRSV antibody findings occurred in individual PRRSV-unsuspicious farms. These were shown to be false-positive by use of confirmation tests.

Conclusions The proportion of PRRSV-positive herds in a region with low pig density can be reduced by voluntary control programmes with the eradication method playing a subordinate role. The use of vaccination against PRRSV or alternative control measures is to be considered carefully. In the case of positive findings in unsuspicious farms, confirmation testing is warranted in order to rule out any ongoing PRRS outbreak as well as to clarify the farm’s status.

Clinical relevance Voluntary PRRS elimination and maintenance of the status of “PRRSV unsuspicious” is possible even when individual herds in the region do not participate in the control programme.



Publication History

Received: 08 November 2019

Accepted: 13 January 2020

Publication Date:
23 April 2020 (online)

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