Zeitschrift für Phytotherapie 2020; 41(05): 243-244
DOI: 10.1055/a-1150-9340
Forschung

Thunbergia laurifolia – Malaiische Thunbergie, Rahngchühd

Thailändische Heilpflanzen im Kurzporträt
Josef Burri
1  Langnau am Albis
,
Bernhard Uehleke
2  Berlin
› Institutsangaben

Thunbergia laurifolia Lindl. ist eine buschartige Kletterpflanze [Abb. 1] mit attraktiven blau-violetten Blütenblättern aus der Familie der Acanthaceae. Sie ist die traditionelle Detox-Pflanze Thailands. Verschiedene Ethnien Südostasiens (abgesehen von den Thai auch die Thai Yai oder Shan, die Karen und die Malaien Südthailands) wenden sie bei Vergiftungserscheinungen an. Die Thai Food and Drug Administration untersagte 2015 allerdings den Anbau von Thunbergia laurifolia für die Verwendung in Nahrungsmitteln und Getränken, weil die Sicherheit wissenschaftlich nicht garantiert sei. Im Handel sind dennoch Kapseln und Pulver erhältlich. Zur Verwirrung trägt bei, dass auch andere Pflanzen (Crotalaria spectabilis, Curcuma aff. Amada, Millettia kityana) unter dem thailändischen Namen „Rahngchühd“ erscheinen. Ebenso existieren in den verschiedenen lokalen Dialekten und Sprachen unterschiedliche Bezeichnungen.

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Abb. 1 Thunbergia laurifolia. Quelle: Josef Burri

In der Regel setzt die Traditionelle Thailändische Medizin einen heißen Auszug aus den Blättern von Thunbergia laurifolia als Antidot ein, um Vergiftungen durch Nahrungsmittel oder Chemikalien (etwa in der Landwirtschaft bei der Anwendung von chemischen Pflanzenschutzmitteln) zu behandeln. Einige Bergvölker verwenden die frischen Blätter nach dem Biss von giftigen Schlangen. (Ärztliche Hilfe ist in solchen Fällen allerdings dringlich angeraten! Die Spitäler verfügen über die entsprechenden Gegengifte.) Auch Insektenstiche können mit den gequetschten frischen Blättern der Malaiischen Thunbergie direkt auf der Einstichstelle gelindert werden. Eine Abkochung der Rinde oder der Blätter soll das Fieber senken und den Kater nach einem alkoholgeschwängerten Abend mindern. (Andere Heilpflanzen wie Andrographis paniculata dürften bei erkältungsbedingtem Fieber allerdings eine stärkere Wirkung entfalten.) Die behaupteten hepatoprotektiven Eigenschaften kommen vor allem bei Alkohol- und Drogenmissbrauch zur Geltung. Empfohlen wird ferner die Anwendung bei Hypoglykämie und Diabetes zur Senkung des Blutzuckerspiegels. Daneben existieren weitere Indikationen: Verdauungsstörungen, Erbrechen bei Kleinkindern, Allergien und Asthma. Setzt die Regelblutung spät oder überhaupt nicht ein, wird ebenfalls ein Tee aus Thunbergia-Blättern empfohlen. Ein Brei aus den Blättern wird äußerlich bei Verbrennungen verwendet. Neuerdings wird Thunbergia laurifolia als Anti-Aging-Ingredienz von Kosmetikherstellern verwendet [1].



Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
19. Oktober 2020 (online)

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