Zeitschrift für Phytotherapie 2020; 41(05): 218-224
DOI: 10.1055/a-1150-9376
Forschung

Grindelia sp. Willd. – Grindelie, Gummikraut, Teerkraut

Eine vergessene Arzneipflanze?
Beatrice Gehrmann

Der Gattungsname Grindelia geht auf den deutsch-baltischen Arzt, Apotheker und Botaniker David Hieronymus Grindel (1776–1836) zurück, der damit für seine Verdienste um die Botanik geehrt wurde. Er studierte Botanik und Medizin in Jena und legte als erster Lette in der damaligen russischen Hauptstadt Sankt Petersburg sein Examen als Apotheker und Chemiker ab [1].

Die Gattung Grindelia (Familie Asteraceae – Korbblütler) führt fast 60 Arten [2], folgende 4 Arten werden arzneilich verwendet [3]:

  • Grindelia robusta Nutt., Syn. G. camporum Greene

    • Kalifornisches Gummikraut

  • Grindelia hirsutula Hook. et Arn., Syn. G. humilis Hook. et Arn.

    • Haariges Gummikraut

  • Grindelia lanceolata Nutt.

    • Schmalblättriges Gummikraut

  • Grindelia squarrosa (Pursh) Dunal

    • Sperriges Gummikraut

Bei der Gattung Grindelia handelt es sich um meist zweijährige Pflanzen [4], die im ersten Jahr nur Rosetten bilden. Im zweiten Jahr wächst daraus ein racemös verzweigter Spross; daran stehen endständig gelbe, 2–5 cm große Blütenköpfchen. Im Knospenstadium sind diese von einem für die Gattung typischen weißlichen Harz überzogen, das von den Drüsenschuppen der Hüllkelchblätter abgesondert wird [Abb. 1]. Auf dem leicht gewölbten Blütenboden der Blütenköpfchen stehen innen radiäre, zwittrige Röhrenblüten, umgeben von einem Kranz zygomorpher Röhrenblüten und einem weiteren Kranz von 20–30 gelben Zungenblüten [Abb. 2]. Die am Spross wechselständig stehenden Blätter sind ungeteilt, mehr oder weniger gezähnt und lanzettlich bis eiförmig. Blütezeit ist Mai bis Juni.

Im Inneren von Stängel und Blättern sind Harzkanäle zu finden. Die Harzproduktion wird als phytochemische Anpassung an die aride Lebensweise der Gattung gewertet (Verdunstungsschutz) [5], außerdem wurde eine futtervergällende Wirkung auf Blattläuse und Schmetterlingsraupen nachgewiesen [6].

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Abb. 1 Knospe mit charakteristischem weißlichen Harz. Quelle: Botanik Fotoarchiv Dr. Roland Spohn
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Abb. 2 Knospen und Blüten von Grindelia robusta. Quelle: Botanik Fotoarchiv Dr. Roland Spohn


Publication History

Publication Date:
19 October 2020 (online)

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