Rofo 2020; 192(10): 937-944
DOI: 10.1055/a-1198-5729
Review

Staging des Zervixkarzinoms – die neue Rolle der MRT-Bildgebung

Article in several languages: English | deutsch
Johanna Merz
1  Department of Radiology, Freiburg University Hospital, Freiburg, Germany
,
Michaela Bossart
2  Department of Gynecology and Obstetrics, Freiburg University Hospital, Freiburg, Germany
,
Fabian Bamberg
1  Department of Radiology, Freiburg University Hospital, Freiburg, Germany
,
Michel Eisenblaetter
1  Department of Radiology, Freiburg University Hospital, Freiburg, Germany
› Author Affiliations

Zusammenfassung

Das Zervixkarzinom ist weltweit noch immer das vierthäufigste Malignom der Frau und hat eine hohe Mortalitätsrate. Die Prognose sowie die Therapie hängen maßgeblich von der Tumorausdehnung bei Erstdiagnose ab. Daraus wird ersichtlich, welchen Stellenwert das Staging des Zervixkarzinoms hat. Um ein weltweit einheitliches Vorgehen zu ermöglichen, beruhte das Staging des Zervixkarzinoms bis 2018 auf flächendeckend verfügbaren Untersuchungen wie der Narkoseuntersuchung, der histologischen Sicherung mittels Konisation oder Zervixbiopsie, der systematischen pelvinen und gegebenenfalls retroperitonealen Lymphonodektomie sowie der Zystoskopie und Proktoskopie, dem i. v.-Pyelogramm und dem Röntgen-Thorax. Da jedoch das primäre Tumorstadium mit dem alten Staging-System häufig unterschätzt wurde, berücksichtigt die 2018 überarbeitete FIGO-Klassifikation nun erstmals Schnittbildverfahren zur Festlegung des initialen Tumorstadiums. Außerdem darf ein bereits festgelegtes Tumorstadium auf Grundlage radiologischer Befunde angepasst werden. Die Magnetresonanztomografie (MRT) ist dank ihres hervorragenden Weichgewebekontrastes die Methode der Wahl für das lokale Tumorstaging, ebenso wie für die Evaluation des Therapieerfolgs, die Detektion von Tumorrezidiven sowie für Nachsorgeuntersuchungen. Radiologen, die eine Becken-MRT bei Verdacht auf Zervixkarzinom interpretieren, müssen also vertraut sein mit dem aktuellen Staging-System nach FIGO. Denn nur so gelingt es, das Tumorstadium möglichst exakt festzulegen und damit den Grundstein für den Therapieerfolg für die Patientinnen zu legen. Ziel dieser Übersichtsarbeit ist es, die Neuerungen der überarbeiteten FIGO-Klassifikation darzustellen sowie den Stellenwert der MRT als Methode der Wahl für das lokale Tumorstaging als Ergänzung zu der klinischen Untersuchung aufzuzeigen.

Kernaussagen:

  • Das Zervixkarzinom ist weltweit das vierthäufigste Karzinom der Frau und hat eine hohe Mortalitätsrate.

  • Die FIGO-Klassifikation zum Staging des Zervixkarzinoms beruhte bis 2018 auf klinischen, flächendeckend verfügbaren Untersuchungsmethoden.

  • Das primäre Tumorstadium wurde mit dem alten Staging-System häufig unterschätzt.

  • Seit 2018 werden Schnittbildverfahren zur Darstellung des Lokalbefundes im Staging-System berücksichtigt.

  • Die MRT ist die Methode der Wahl für das lokale Tumorstaging, die Evaluation des Therapieerfolgs und die Detektion von Tumorrezidiven und möglichen Komplikationen.

Zitierweise

  • Merz J, Bossart M, Bamberg F et al. Revised FIGO Staging for Cervical Cancer – A New Role for MRI. Fortschr Röntgenstr 2020; 192: 937 – 944



Publication History

Received: 13 January 2020

Accepted: 13 May 2020

Publication Date:
30 July 2020 (online)

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