Kinder- und Jugendmedizin 2020; 20(04): 215-220
DOI: 10.1055/a-1199-0635
Schwerpunkt
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Medienprävention im frühen Kindesalter aus entwicklungsneurologischer Sicht

Prevention of excessive media consumption in early childhood – the neuropediatrician’s and developmental medicine’s view”
Ulrike Gaiser
1  Kinderzentrum Maulbronn
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Publication History

eingereicht 04 March 2020

akzeptiert 13 March 2020

Publication Date:
20 August 2020 (online)

ZUSAMMENFASSUNG

Die Prävention ist im Bereich Medien extrem wichtig, auch und gerade bei Kindern mit Entwicklungsstörungen. Die Eltern spielen eine zentrale Rolle, da im frühen Kindesalter die eigenen Regulationsmöglichkeiten der Kinder nicht oder noch nicht genügend ausgeprägt sind. Kinder mit neuropädiatrischen Erkrankungen und Entwicklungsstörungen sind ein „Risikokollektiv“, aber Medien bieten auch besonders gute Möglichkeiten der Teilhabe und Erweiterung der Fähigkeiten. Bewusstes Abwägen, Aussuchen pädagogischer Inhalte und Abstimmen mit den laufenden Therapien sind wichtig. Hierzu ist es notwendig, den Mediengebrauch standartmäßig zu erfassen und frühzeitig zu intervenieren, wenn zu viel, das falsche oder sinnlos konsumiert wird. Eltern muss frühzeitig Hilfe, sowohl im Rahmen der Therapien (z. B. durch gemeinsames Erarbeiten eines festen Rituals „Beginn und Beenden“) als auch im psychosozialen Umfeld gegeben werden, ggf. auch im Rahmen einer intensiveren, auch stationären Maßnahme, wenn die Umfeldveränderung dazu notwendig ist.

ABSTRACT

Prevention in the field of media consumption is particularly important in children with developmental problems and neuropediatric diseases. Parents occupy a central position due to the fact, that young children do not have the ability to regulate media consumption themselves. In children with neurodevelopmental problems media both offer benefit and danger. Coordination of therapy goals, stage of development and the selection of pedagogic contents are essential. Collection of information concerning screen time and offered contents should be done regularly by default. There is the need of supporting the families as early as possible both in medical and psychosocial care.