Z Orthop Unfall
DOI: 10.1055/a-1202-6220
Review/Übersicht

Botulinumtoxin bei chronischer Epicondylitis humeroradialis

Indikationen, Techniken und LiteraturlageArticle in several languages: English | deutsch
Stephan Grüner
1  Practice of Dr. Grüner, Cologne
,
Axel Schulz
2  Orthopaedic Practice of Dr. Schulz, Lüdenscheid
,
Klaus Schlüter-Brust
3  Orthopaedic Department, St. Franziskus Hospital, Cologne
,
Marcela Lippert-Grüner
4  Department of Physical and Rehabilitative Medicine, Charles University Third Faculty of Medicine, Prague, Czech Republic
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Zusammenfassung

Die Epicondylitis humeroradialis ist eine häufige Erkrankung in der orthopädischen Praxis. Obwohl die Mehrzahl der Fälle nicht chronifiziert, stellen längere Verläufe bei Therapierefraktärität oft ein Behandlungsproblem dar. Der Einsatz von Botulinumtoxin als Off-Label-Use ist eine der häufiger genannten und klinisch untersuchten Indikationen für die Substanz in O & U. In einer Literaturrecherche 2000 – 2019 konnten 8 klinische Studien ≥ EBM-Level 3 (EBM: evidenzbasierte Medizin) zum Einsatz von Botulinumtoxin bei Epicondylitis humeroradialis gefunden werden. Fünf dieser Studien waren Vergleichsarbeiten mit Verum vs. Placebo bei chronischen Verläufen, in 2 weiteren Arbeiten wurde Botulinumtoxin mit Kortikosteroiden bei akuten Fällen bzw. mit einer klassischen Hohmann-Operation bei chronischen Fällen verglichen, die 8. Arbeit verglich Botulinumtoxin mit 2 verschiedenen Injektionsorten und Kortikosteroiden in klassischer Injektion. Die vorliegenden Arbeiten deuten darauf hin, dass der gezielte Einsatz dieser Substanz eine Therapieoption bei therapierefraktären chronischen Fällen vor der Indikationsstellung zur Operation darstellen kann. Ausgehend von den Erkenntnissen der vorliegenden Arbeiten stellt der Arbeitskreis Botulinumtoxin in O & U der IGOST ein alternatives Injektionsschema vor, welches die bisherigen Verfahren in den positiven Aspekten bündeln und in den Nebenwirkungen minimieren könnte. Unter Nutzung von 2 einfachen Funktionstests und ggf. sonografischer Überprüfung können 2 separate Injektionsstellen in den M. extensor carpi radialis bzw. den M. extensor digitorum palpatorisch identifiziert werden. Als 3. Injektionsstelle fungiert der Sehnenspiegel am Epicondylus humeroradialis. Unter optimaler Ausnutzung des Ampulleninhalts können individuell angepasst je nach Muskelstatus die 3 Injektionsstellen infiltriert werden. Damit kann einerseits nach einem dualen Therapieansatz die Behandlung erfolgen und andererseits das Risiko einer Überdosierung in einen Muskel mit nachfolgender unnötiger Muskelabschwächung reduziert werden.



Publication History

Publication Date:
03 August 2020 (online)

Georg Thieme Verlag KG
Stuttgart · New York