retten! 2021; 10(01): 14-21
DOI: 10.1055/a-1205-8253
Fit für den Notfallsanitäter

Epistaxis – Das sollten Sie wissen für die Ergänzungsprüfung

Rico Kuhnke
,
Thomas Ahne

retten! macht Sie fit für den Notfallsanitäter: In jeder Ausgabe arbeiten wir anhand eines Fallbeispiels einen interessanten Einsatz algorithmenkonform auf. Anhand von exemplarischen Fragen zu erweiterten Notfallmaßnahmen, Kommunikation und Rahmenbedingungen können Sie sich auf die Ergänzungsprüfung vorbereiten – egal, in welchem Bundesland Sie arbeiten.

Kommentar

Hans-Martin Grusnick, Ärztlicher Beirat, Deutscher Berufsverband Rettungsdienst e. V. (DBRD)

Epistaxis ist eine häufige Notfallsituation. Oftmals sistiert das Nasenbluten bereits bei Eintreffen des Rettungsdienstes – wenn nicht, kann der Notfallsanitäter einige suffiziente Maßnahmen ergreifen, etwa die Kompression der Nasenflügel, die oftmals bei anteriorem Nasenbluten aus dem Gefäßgebiet des Locus Kiesselbachii wirksam ist. Schnell und effektiv bei Epistaxis wirkt häufig auch die intranasale Gabe von Tranexamsäure in zerstäubter Form über ein Mucosal Atomization Device. Es konnte gezeigt werden, dass die Therapie aus Tranexamsäure zerstäubt intranasal (0,5 g/Nasenloch) in Kombination mit Kompression der Nasenflügel für mindestens 15 Minuten genauso effektiv war wie eine Nasentamponade (doi.org/10.1016/j.annemergmed.2019.03.030). Diese Maßnahme ist effektiv und nebenwirkungsarm, und die Kompression kann auch während des Transports gut fortgesetzt werden. Die große Menge an Tranexamsäure war in den Studienprotokollen nicht nachteilig.

Nur bei lebensbedrohlicher Epistaxis sollte zusätzlich zu den geschilderten Maßnahmen eine Nasentamponade durchgeführt werden. Der Fokus liegt dabei einerseits auf der Gefahr eines hämorrhagischen Schocks, andererseits auf der großen Gefahr einer Atemwegsverlegung. Oftmals sind diese schweren Formen der Epistaxis assoziiert mit posteriorem Nasenbluten, das durch Kompression der Nasenflügel nicht beeinflussbar ist. In diesen Fällen ist, auch aufgrund der vitalen Gefährdung, eine Nasentamponade zu erwägen. Ist kein handelsübliches Produkt zur Hand, können die posterioren Nasenostien im Nasenrachenraum durch Einbringen eines Blasenkatheters mit Blockung suffizient verschlossen werden. Durch Gegentamponade von vorne kann dann Mullmaterial eingebracht werden, das mit Tranexamsäure und auch Adrenalin getränkt werden kann.

Insbesondere bei langanhaltender Epistaxis, Epistaxis unter Gerinnungshemmern und Patienten über 60 Jahren sollte immer ein Transport in eine Klinik erfolgen.



Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
17. Februar 2021 (online)

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