CC BY-NC-ND 4.0 · Geburtshilfe Frauenheilkd 2020; 80(09): 932-940
DOI: 10.1055/a-1222-0042
GebFra Science
Original Article/Originalarbeit

Prävalenz von BRCA1- und BRCA2-Mutationen bei Patientinnen mit primärem Ovarialkarzinom – bildet die deutsche Checkliste zur Erfassung des Risikos für erblichen Brust- und Eierstockkrebs den Beratungsbedarf ausreichend ab?

Article in several languages: English | deutsch
Beyhan Ataseven
1  Abteilung für Gynäkologie und Gynäkologische Onkologie, Evang. Kliniken Essen-Mitte, Essen
2  Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der LMU München, München
,
Denise Tripon
1  Abteilung für Gynäkologie und Gynäkologische Onkologie, Evang. Kliniken Essen-Mitte, Essen
,
Kerstin Rhiem
3  Zentrum Familiärer Brust- und Eierstockkrebs, Universitätsklinik Köln, Köln
,
Philipp Harter
1  Abteilung für Gynäkologie und Gynäkologische Onkologie, Evang. Kliniken Essen-Mitte, Essen
,
Stephanie Schneider
1  Abteilung für Gynäkologie und Gynäkologische Onkologie, Evang. Kliniken Essen-Mitte, Essen
,
Florian Heitz
1  Abteilung für Gynäkologie und Gynäkologische Onkologie, Evang. Kliniken Essen-Mitte, Essen
4  Klinik für Gynäkologie mit Zentrum für onkologische Chirurgie (CVK) und Klinik für Gynäkologie (CBF), Charité – Universitätsmedizin Berlin, Berlin
,
Thais Baert
1  Abteilung für Gynäkologie und Gynäkologische Onkologie, Evang. Kliniken Essen-Mitte, Essen
5  Abteilung für Onkologie und Tumorimmunologie, KU Leuven, Leuven, Belgien
,
Alexander Traut
1  Abteilung für Gynäkologie und Gynäkologische Onkologie, Evang. Kliniken Essen-Mitte, Essen
,
Nina Pauly
1  Abteilung für Gynäkologie und Gynäkologische Onkologie, Evang. Kliniken Essen-Mitte, Essen
,
Sarah Ehmann
1  Abteilung für Gynäkologie und Gynäkologische Onkologie, Evang. Kliniken Essen-Mitte, Essen
,
Helmut Plett
1  Abteilung für Gynäkologie und Gynäkologische Onkologie, Evang. Kliniken Essen-Mitte, Essen
4  Klinik für Gynäkologie mit Zentrum für onkologische Chirurgie (CVK) und Klinik für Gynäkologie (CBF), Charité – Universitätsmedizin Berlin, Berlin
,
Rita K. Schmutzler
3  Zentrum Familiärer Brust- und Eierstockkrebs, Universitätsklinik Köln, Köln
,
Andreas du Bois
1  Abteilung für Gynäkologie und Gynäkologische Onkologie, Evang. Kliniken Essen-Mitte, Essen
› Author Affiliations
  

Zusammenfassung

Hintergrund BRCA1/2-Mutationen sind die Hauptursache für erbliche epitheliale Ovarialkarzinome (EOC). Das Deutsche Konsortium für Familiären Brust- und Eierstockkrebs hat Einschlusskriterien definiert, welche als Checkliste abrufbar sind und Betroffenen mit einer Mutationswahrscheinlichkeit von ≥ 10% eine genetische Beratung/Testung ermöglichen. Unser Ziel war es, die Prävalenz der BRCA1/2-Mutation(en) auf Basis des Checklisten-Scores (CLS) zu evaluieren.

Methoden Es erfolgte eine retrospektive Datenanalyse von EOC-Patientinnen mit Primärdiagnose, die zwischen 1/2011 – 5/2019 an den Kliniken Essen-Mitte behandelt wurden und für die ein BRCA1/2-Genanalyse-Ergebnis und ein CLS vorlag. Von 545 Fällen mit BRCA1/2-Ergebnis (Kohorte A) lag in 453 Fällen zusätzlich ein erweitertes Gen-Panel-Ergebnis (Kohorte B) vor.

Ergebnisse In 23,3% (127/545) wurde in Kohorte A eine BRCA1/2-Mutation festgestellt, in Kohorte B zeigten sich bei weiteren 6,2% pathogene Mutationen in Nicht-BRCA1/2-Genen. In Kohorte A hatten 23,3% (127/545) der Patienten eine BRCA1- (n = 92) oder BRCA2- (n = 35) Mutation. Ein singuläres EOC (CLS 2) lag in 40,9% vor. Die Prävalenz für eine BRCA1/2-Mutation in Kohorte A betrug 10,8%, 17,2%, 25,0%, 35,1%, 51,4% und 66,7% für Patienten mit CLS 2, 3, 4, 5, 6 bzw. ≥ 7. Die Mutationsprävalenz in Kohorte B betrug 15,9%, 16,4%, 28,2%, 40,4%, 44,8% und 62,5% für Patienten mit CLS 2, 3, 4, 5, 6 bzw. ≥ 7.

Schlussfolgerungen Die BRCA1/2-Mutationsprävalenz bei EOC-Patienten korreliert positiv mit steigendem Checklisten-Score. Bereits beim singulärem EOC überschreitet die Prävalenz einer BRCA1/2-Mutation die geforderte 10%-Schwelle. Unsere Daten unterstützen die Empfehlung der S3-Leitlinie Ovarialkarzinom, allen Patientinnen mit EOC eine genetische Testung anzubieten. Eine Optimierung der Checkliste mit eindeutiger Kennzeichnung der Testungsindikation in dieser Population ist daher anzustreben.



Publication History

Received: 01 April 2020

Accepted after revision: 14 July 2020

Publication Date:
02 September 2020 (online)

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