Aktuelle Kardiologie 2020; 9(05): 440-446
DOI: 10.1055/a-1242-9781
Kurzübersicht

Vorhofflimmern und Antikoagulation im Alter

Atrial Fibrillation and Anticoagulation in Old Age
Harald Darius
Kardiologie, Angiologie, Nephrologie und konservative Intensivmedizin, Vivantes Klinikum Neukölln, Berlin, Deutschland
› Author Affiliations

Zusammenfassung

Vorhofflimmern und auch Vorhofflattern sind aufgrund der mechanischen Stase im Vorhof mit einer hohen Thrombembolierate, also Schlaganfällen oder systemischen Thrombembolien, assoziiert. Die orale Antikoagulation reduziert die Rate der thrombembolischen Ereignisse um ca. ⅔, bei Einsatz von NOAC sogar noch etwas mehr. Bei älteren und alten Patienten ist das thrombembolische Risiko deutlich erhöht, insbesondere wenn Risikofaktoren wie arterielle Hypertonie, Herzinsuffizienz oder Niereninsuffizienz vorhanden sind. Ältere und alte Patienten profitieren von einer Antikoagulation aufgrund des höheren absoluten Risikos deutlich mehr als jüngere Patienten, obwohl sie auch ein erhöhtes Blutungsrisiko haben. Das Blutungsrisiko kann durch Behandlung modifizierbarer Risikofaktoren, Überprüfung bzw. Modifikation der Komedikation und patientenorientierte Dosierung der NOAC unter Berücksichtigung der Nierenfunktion deutlich reduziert werden. Dadurch können auch ältere und alte Patienten von einer effektiven Antikoagulation profitieren und Schlaganfälle verhindert werden.

Abstract

Atrial fibrillation and atrial flutter are associated with mechanical stasis in the left atrium and cause a high rate of thromboembolic events i.e. ischaemic strokes and systemic emboli. Oral anticoagulation reduces the rate of thromboembolic events by about ⅔, if NOAC are utilized even more. The thromboembolic risk is even more elevated in elderly and old patients, specifically if risk factors like arterial hypertension, heart failure or chronic kidney disease are present. Elderly and old patients benefit from anticoagulation more than younger patients due to their elevated absolute risk, despite of their increased bleeding risk. The bleeding risk can be reduced by treating modifiable risk factors, paying attention to interacting comedications and a patient-specific NOAC dosing taking into account the patientsʼ renal function. By following these recommendations even elderly and old patients may benefit from an effective anticoagulation in order to prevent them from strokes.

Was ist wichtig?

Bei älteren (laut WHO: 61 – 75 Jahre) und alten (76 – 90 Jahre) Patienten ergibt sich häufiger als bei jüngeren Patienten die Indikation für eine Antikoagulationsbehandlung. Dies ist bedingt durch die altersabhängig deutlich zunehmende Prävalenz des VHF und auch der tiefen Bein-Becken-Venenthrombosen und Lungenembolien.

Bei bestehendem VHF haben ältere und alte Patienten einen deutlich höheren Nettovorteil von der Antikoagulation trotz höherer Blutungskomplikationsrate als jüngere Patienten.

Da es sich um eine mittel- bis langfristige Therapie bzw. Prophylaxe handelt, kommt in den allermeisten Fällen nur eine orale Langzeitantikoagulation infrage. Bei Patienten mit nicht valvulärem VHF sind hier NOAC den VKA vorzuziehen.

Es ist davon auszugehen, dass die Triple-Therapie zur Antikoagulation bei Vorhofflimmerpatienten nach PCI nur noch in Ausnahmefällen empfohlen werden wird.



Publication History

Article published online:
22 October 2020

© 2020. Thieme. All rights reserved.

Georg Thieme Verlag KG
Rüdigerstraße 14, 70469 Stuttgart, Germany