Die Hebamme 2020; 33(05): 16-17
DOI: 10.1055/a-1247-8661
Studienergebnisse
Gelesen & kommentiert

Vor der nächsten Schwangerschaft Gewicht regulieren

Martinez-Hortelano JA et al. Interpregnancy Weight Change and Hypertension during Pregnancy: A Systematic Review and Meta-analysis. Obstet Gynecol 2020; 135: 68–79. doi:10.1097/AOG.0000000000003573

Die meisten Frauen haben postpartal ein höheres Körpergewicht als vor der Schwangerschaft. Ist die Gewichtszunahme dauerhaft, könnte das auch ein Risiko für nachfolgende Schwangerschaften bedeuten. Die Evidenz für eine Assoziation der Gewichtsveränderungen zwischen Schwangerschaften und hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen analysierte eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse.

Jose Alberto Martinez-Hortelano von der Universität von Kastilien-La Mancha in Cuenca, Spanien, und Kollegen suchten systematisch in den Datenbanken MEDLINE, Embase, Cochrane Library, Web of Science und ClinicalTrials.gov nach Studien zum Verhältnis von Gewichtsentwicklung zwischen 2 Schwangerschaften und Hochdruckerkrankungen in Folgeschwangerschaften. In ihre systematische Auswertung und Metaanalyse konnten sie 12 Studien mit insgesamt 415 605 Frauen einschließen. Elf Studien waren Kohortenstudien, 1 Studie war eine Fallkontrollstudie. In 11 Studien war das Bezugsgewicht das pränatale Gewicht vor der 1. Schwangerschaft, in 1 Studie dagegen das Gewicht nach der 1. Geburt. Die untersuchten Endpunkte in den Studien waren unterschiedlich: Vier Studien erhoben hypertensive Schwangerschaftserkrankungen allgemein, 6 werteten nur eine Gestationshypertonie und 5 eine Präeklampsie aus. Für die Berechnung der Odds Ratio (OR) in verschiedenen adjustierten Modellen diente die Kategorie ohne Gewichtsveränderung als Referenz.

Ergebnisse

Insgesamt fand sich bei aller Heterogenität der Studien ein erhöhtes Risiko für Schwangerschaftshochdruckerkrankungen bei Gewichtszunahme zwischen Schwangerschaften. Die errechnete OR lag bei 1,37 mit einem 95 %-Konfidenzintervall (95 %-KI) von 1,21 – 1,53 (p < 0,001). In einer Subgruppenanalyse ergab sich für Gewichtszunahme zwischen Schwangerschaften und dem Risiko für Gestationshypertonie ebenfalls ein signifikant erhöhtes Risiko (OR 1,45; 95 %-KI 1,11 – 1,80; p < 0,001). Für Präeklampsie war die Assoziation dagegen schwächer (OR 1,39; 95 %-KI 1,18 – 1,60; p = 0,16).

Eine Gewichtsabnahme zwischen Schwangerschaften ging analog mit einer Reduktion des Risikos für hypertensive Erkrankungen in der Schwangerschaft einher (OR 0,87; 95 %-KI 0,75 – 0,99; p = 0,01). Die Subgruppenanalyse ergab für chronischen Bluthochdruck eine OR von 0,90 (95 %-KI 0,76 – 1,04; p = 0,28) und für Präeklampsie von 0,93 (95 %-KI 0,71 – 1,15; p < 0,001).

Eine Metaregression ergab eine positive Assoziation von Gewichtszunahme zwischen Schwangerschaften und einem graduellen Anstieg der Schwangerschaftshochdruckerkrankungen. Pro Einheit des Body-Mass-Index mehr stieg die OR für eine hypertensive Schwangerschaftserkrankung um den Faktor 0,31 an.

Fazit

Bei aller Heterogenität der Studien weist die Untersuchung klar darauf hin, dass Gewichtsveränderungen von einer zur anderen Schwangerschaft das Risiko für Schwangerschaftshochdruckerkrankungen beeinflussen. Frauen mit erhöhtem Gewicht nach einer Schwangerschaft sollten zu Lebensstilmaßnahmen ermutigt werden, um ihr Körpergewicht wieder zu reduzieren, betonen die Autoren: Das Bluthochdruckrisiko für nachfolgende Schwangerschaften lässt sich so klar senken.

Quelle: Frauenheilkunde up2date 4 / 2020



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Publication Date:
30 October 2020 (online)

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