Z Orthop Unfall 2021; 159(01): 39-46
DOI: 10.1055/a-1289-0779
Original Article/Originalarbeit

Evaluation der Durchführbarkeit einer telemedizinischen Untersuchung des Hüftgelenks und des Beckens – frühe Lehren aus der COVID-19-Pandemie

Article in several languages: English | deutsch
Max Jaenisch*
Clinic and Polyclinic for Orthopaedics and Trauma Surgery, Bonn University Clinics, Bonn, Germany
,
Hendrik Kohlhof*
Clinic and Polyclinic for Orthopaedics and Trauma Surgery, Bonn University Clinics, Bonn, Germany
,
Amadeo Touet
Clinic and Polyclinic for Orthopaedics and Trauma Surgery, Bonn University Clinics, Bonn, Germany
,
Michael Kehrer
Clinic and Polyclinic for Orthopaedics and Trauma Surgery, Bonn University Clinics, Bonn, Germany
,
Davide Cucchi
Clinic and Polyclinic for Orthopaedics and Trauma Surgery, Bonn University Clinics, Bonn, Germany
,
Christof Burger
Clinic and Polyclinic for Orthopaedics and Trauma Surgery, Bonn University Clinics, Bonn, Germany
,
Dieter Christian Wirtz
Clinic and Polyclinic for Orthopaedics and Trauma Surgery, Bonn University Clinics, Bonn, Germany
,
Kristian Welle**
Clinic and Polyclinic for Orthopaedics and Trauma Surgery, Bonn University Clinics, Bonn, Germany
,
Clinic and Polyclinic for Orthopaedics and Trauma Surgery, Bonn University Clinics, Bonn, Germany
› Author Affiliations

Zusammenfassung

Einleitung Aufgrund der aktuellen COVID-19-Pandemie erfolgten Einschränkungen im Fach der Orthopädie und Unfallchirurgie durch das Gesundheitsamt. Neben der Verlegung von elektiven operativen Eingriffen erfolgte auch die drastische Reduktion der Sprechstunden. Hierdurch kam es zu einem deutlichen Anstieg von telemedizinisch durchgeführten Sprechstunden zur Gewährleistung der Patientenversorgung. Die Zielsetzung dieser Arbeit ist, die Umsetzbarkeit einer klinisch-orthopädischen Untersuchung der Hüfte und des Beckens durch telemedizinische Verfahren im Rahmen einer Videosprechstunde zu untersuchen.

Material und Methoden Im Rahmen der vorliegenden Auswertung wurden 29 stationäre Patienten eines deutschen Universitätsklinikums rekrutiert und im Rahmen einer Videosprechstunde und konventionell untersucht. Anschließend wurde die Übereinstimmung der erhobenen Befunde ausgewertet und Zusammenhänge mit patientenspezifischen Daten wie Alter, BMI und ASA-Klassifikation untersucht.

Ergebnisse Es zeigte sich eine gute Übereinstimmung der Inspektion mit einem durchschnittlichen Cohens Kappa von 0,76 ± 0,37, eine angemessene Übereinstimmung der Palpation mit einem durchschnittlichen Cohens Kappa von 0,38 ± 0,19, eine gute Übereinstimmung der Funktion mit einem durchschnittlichen Cohens Kappa von 0,61 ± 0,26 und eine angemessene Übereinstimmung der Bewegungsausmaße mit einem Cohens Kappa von 0,36 ± 0,19. Es zeigte sich ein signifikanter positiver Zusammenhang zwischen Anzahl der Abweichungen der verschiedenen Untersuchungen und Alter (p = 0,05) und ein positiver signifikanter Zusammenhang zwischen Anzahl der nicht durchführbaren Untersuchungen und Alter (p < 0,01), BMI (p < 0,01) und ASA-Klassifikationswert (p < 0,01).

Diskussion Vor allem die Inspektion und Funktion sind gut untersuchbare Parameter während Palpation, Provokation und die Erfassung der Bewegungsausmaße eine limitierte Aussagekraft zeigen. Bei begrenzter Anzahl der Probanden ist die Aussagekraft eines statistisch relevanten Zusammenhangs zwischen patientenspezifischen Faktoren wie Alter, BMI und ASA-Klassifikationswert und der validen und erfolgreichen Durchführung einer telemedizinischen Untersuchung limitiert. Die Autoren sprechen sich für eine gezielte Patientenselektion aus. Sollten dennoch sehr alte (> 75 Jahren), adipöse (BMI > 30) oder stark vorerkrankte Patienten (ab ASA 3) untersucht werden, ist Vorsicht geboten. Es bedarf in der Zukunft weiterer großangelegter, prospektiver Studien, um eine ausreichende Validierung einer telemedizinischen Untersuchung in der Orthopädie und Unfallchirurgie zu erreichen.

Schlussfolgerung Die telemedizinische Untersuchung von Hüftgelenk und Becken ist mit Einschränkungen möglich. Patientenspezifische Faktoren wie Alter, BMI und Grad der Vorerkrankungen scheinen einen relevanten Einfluss auf die Validität und die Durchführung zu haben. Patienten, die stark vorerkrankt (ab ASA 3) sind, ein hohes Lebensalter haben (> 75 Jahre) und/oder adipös sind (BMI > 30), sollten, wenn möglich, in eine herkömmliche Sprechstunde einbestellt werden.

* gleichberechtigte Erstautoren


** gleichberechtigte Letztautoren


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Publication Date:
16 December 2020 (online)

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